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Wie reagieren Jugendämter bei Hinweisen auf Kindeswohlgefährdungen? Aktuelle Zahlen der Jugendhilfestatistik (KomDat) zeigen weitere Herausforderungen auf

22.11.2015 Kommentare (0)

Im Jahr 2014 führten die Jugendämter ca. 124 000 Gefährdungsmeldungen (so genannte „8a Verfahren") durch, was einem Anstieg um 7% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Davon werden etwa jeweils ein Drittel als Kindeswohlgefährdung, als Fälle mit Hilfebedarf und – interessanterweise – zu ebenfalls um die 30% als Fälle gewertet, in denen keine Hilfemaßnahme oder andere Reaktionen folgen. Wie kommt es zu dieser erheblichen Häufigkeit „falschen Alarms"?

Zeigen sich hier weiterhin Unsicherheiten in der Weitergabe von Informationen und bei Kooperationswegen? Oder eher Diskrepanzen in der diagnostischen Einschätzung über das, was als Kindeswohlgefährdung zu beurteilen ist? Und sind die Zahlen Indiz für die Notwendigkeit einer noch besseren Abklärung im Vorfeld einer solchen Mitteilung? Oder einfach nur ein pragmatischer Umgang mit Statistik? In jedem Fall besteht hier weiterer Gesprächs- und Entwicklungsbedarf!

Noch interessanter an den aktuellen Zahlen ist der Trend, der von den Autoren von KomDat als „Bandbreite der Reaktionen" auf Gefährdungslagen beschrieben wird. Während in etwa der Hälfte der eingeschätzten Gefährdungsfälle intensive Eingriffe und Fremdunterbringung folgen, zeigen sich bei den anderen Fällen eher heterogene Reaktionsweisen. Denn die von den Jugendämtern angesteuerten Hilfen bei festgestellter Gefährdung reichen von gar keiner Reaktion (oder der Beibehaltung der bisherigen Hilfe in 11% der Fälle), über niedrigschwellige Beratungsangebote (in 10% der Fälle) bis hin zu ganz unterschiedlichen Hilfemaßnahmen im ambulanten Bereich (27%). Fragen von Fallverstehen, Risiko- und Gefährdungseinschätzung, angemessener Hilfeentscheidung und Hilfegestaltung in der Beziehungsdynamik mit der Familie sind also ein (weiterhin) neuralgischer Punkt in der Weiterentwicklung des Kinderschutzes!

Interessant an den neuen Zahlen aus Sicht der Kinderschutz-Zentren ist der Anstieg der Gefährdungseinschätzungen für Jugendliche und die damit zu vermutende erhöhte Sensibilität für diese Altersgruppe, da hier insbesondere im letzten Jahr ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Kinderschutz-Zentren im Rahmen von Fort- und Weiterbildung, Wissenstransfer und Praxisentwicklung lag.

Außerdem: Drastischer Anstieg bei den Inobhutnahmen von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Quelle: KIZ-Newsletter Nr. 14, November 2015

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