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mehrere Kinder

Umfrage: Die Arbeitsbedingungen von Kinderkrippen-ErzieherInnen

Prof.Dr.med.Dr.phil. Sulz

20.02.2018 | Forschung Kommentare (0)

Wohl und Wehe von Kita-ErzieherInnen

Prof.Dr.med.Dr.phil. Sulz: Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Er ist Vizepräsident der deutschen gesellschaft für kinder- und jugendlichenpsychotherapie und familientherapie dgkjf. Er lehrt an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt Grundlagen der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie für pädagogische Berufe. 

Im Fokus der Diskussion um die Qualität von Kitas stehen die Kinder und ihre Mütter. Nach den ErzieherInnen fragt niemand. Es kann sogar sein, dass ihnen die Schuld an der Misere zugeschoben wird. „Wenn Ihr bessere Arbeit machen würdet …“ oder „Warum können Sie das nicht noch zusätzlich machen?“. Während der Pflegenotstand in Presse und Bevölkerung inzwischen angekommen ist, mag sich niemand um die Arbeitsbedingungen der ErzieherInnen kümmern. Es gibt heute sehr bedeutsame Erkenntnisse der Wissenschaft, die zeigen, dass Kinder unter 18 Monaten nicht ganztags in die Kita gebracht werden sollten und Kinder unter einem Jahr überhaupt nicht – es sei denn eine Mutter ist so belastet, dass ihr Kind in der Kita besser aufgehoben ist. Bei solchen Kindern sind dann nicht wenige Problemkinder, die eine intensive fachliche Betreuung brauchen. Und schon wird aus der Kita-Pädagogik teilweise eine Heilpädagogik, was beim Personalschlüssel zusätzlich zu bedenken ist.  Für ein Kind ist am wichtigsten, dass es zu der Erziehungsperson, die tagsüber für es zuständig ist, eine sichere Bindung aufbaut, sonst entsteht oft gar nicht bemerkbarer Dauerstress, der das kindliche Gehirn schädigt und seine Entwicklung erheblich hemmt – wobei man die Auswirkungen erst im frühen Erwachsenenalter erkennen kann (beruflicher Erfolg, Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen, Lebenszufriedenheit etc.). Deshalb muss die Kita gewährleisten, dass nur eine Erzieherin seine Bezugsperson ist, was nicht gehen kann, wenn es eine Früh- und eine Spätschicht gibt und wenn die Bezugsperson außerhalb der Ferien, während derer das Kind bei den Eltern ist, Urlaub macht. Und wenn nah einer einwöchigen Krankheitsvertretung das Kind einer dritten Bezugsperson dauerhaft übergeben wird. Das alles wäre leichter zu berücksichtigen, wenn Teilzeitaufenthalte eines Kindes (z.B. 4 Stunden Kita-Aufenthalt pro Tag) die Kita nicht in finanzielle Schwierigkeiten bräuchte, weil die Einnahmen dann sinken. Dann hätte die Erzieherin auch Zeit, sich mit der Mutter und mit ihren KollegInnen auszutauschen. Halbtagsaufenthalte sind möglih, wenn die Mutter oder der Vater höchstens halbtags arbeitet. Ohne massive finanzielle staatliche Unterstützung geht das aber nicht. Sowohl Eltern als auch Kitas müssen finanziell weitgehend entlastet werden nicht zuletzt damit einer der wichtigsten Berufe angemessen entlohnt werden kann - mit einem Monatsgehalt, das der Verantwortung und dem Engagement entspricht. Wir laden alle Kita-Erzieherinnen ein, an einer online—Umfrage über Arbeitsbedingungen von Kita-ErzieherInnen teilzunehmen. Diese Ergebnisse brauchen die Politiker für die notwendigen Entscheidungen.

Es dauert gut 15 Minuten und ist absolut anonym. Diese kurze Investition Ihrer Zeit ist ein wertvoller Beitrag.

Link zum Fragebogen ist: https://www.soscisurvey.de/Kita-Erzieherin/ 

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