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mehrere Kinder

Sollen Männer zu Erziehern umgeschult werden?

31.10.2010 Kommentare (1)


Wir übernehmen einen Beitrag vom Portal der Koordinationsstelle Männer in Kitas (http://www.koordination-maennerinkitas.de/aktuelles/einzelansicht/?tx_ttnews[tt_news]=20&cHash=bb78f66827314293b05eb88f00f7d745)

Seit einiger Zeit werden in den Medien Vorschläge für Qualifizierungsprogramme diskutiert, mit denen Männer für eine Tätigkeit in Kitas gewonnen werden sollen. Dieses Vorhaben ist bundesweit bereits auf großes Interesse, aber auch auf kritische Resonanz gestoßen, da Qualitätseinbußen und eine Benachteiligung von Frauen befürchtet werden. Wir beziehen Stellung.

In Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit sind zurzeit Qualifizierungsangebote für erwerbslose Männer für den Erzieherberuf in Planung. Dieses Vorhaben ist bundesweit bereits auf großes Interesse gestoßen. Es hat aber auch kritische Resonanz erfahren, da die Befürchtung besteht, dass mit einer solchen, auf zwei Jahre angelegten Qualifizierungsmaßnahme für diese so genannten „Quereinsteiger“ sowohl eine Benachteiligung von Frauen als auch eine Abwertung des gesamten Berufsstandes einhergehen könnte. Für den Erzieherberuf noch nicht qualifizierte Männer würden, so ein Vorwurf, in Schnellkursen ein Erzieherexamen vermittelt, ein Gesamtkonzept für mehr Geschlechtergleichstellung würde dagegen fehlen. Was ist dran an dieser Kritik?

Frage: Sind Männer quasi durch ihr Geschlecht befähigt, einen Ausbildungsweg, der ansonsten einschließlich der beruflichen Vorbildung, in der Regel fünf Jahre, mindestens jedoch vier Jahre dauert, innerhalb von zwei Jahren hinter sich zu lassen?

Antwort: Selbstverständlich nicht. Wir sehen die Qualifizierungsmaßnahme zunächst als Einstieg in das Arbeitsfeld. Weitere Qualifizierungsschritte sollen sich anschließen. Die Dauer der geplanten Maßnahmen wird zurzeit noch diskutiert. Im Land Brandenburg wird ein zweijähriges Modell sehr erfolgreich durchgeführt.

Zu bedenken ist allerdings, dass sich die reguläre Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin an junge Menschen richtet. BMFSFJ und BA konzipieren dagegen eine erwachsenengerechte und sehr praxisbezogene Maßnahme für Männer mit Ausbildungen und Berufserfahrung in anderen Arbeitsbereichen, der zudem eine Eignungsprüfung vorausgeht.

Natürlich ist eine solche Qualifizierung auch für Frauen denkbar. Zudem müsste sie sich nicht notwendigerweise nur an Menschen richten, die von Langzeiterwerbslosigkeit betroffen sind.

Frage: Sind Absolventen der Qualifizierungsmaßnahme nicht deutlich schlechter qualifiziert als derzeitige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertagesstätten?

Antwort: Zu bedenken ist, dass ein nicht unerheblicher Teil des aktuellen Fachpersonals in deutschen Kitas nicht über eine vollwertige Ausbildung als Erzieher/Erzieherin verfügt. So arbeiten in vielen Kitas Kinderpflegerinnen/Kinderpfleger oder Sozialassistentinnen/Sozialassistenten, deren Anteil allerdings je nach Bundesland unterschiedlich ist. Vergleiche: 


Frage: Sind Absolventen der Qualifizierungsmaßnahme nicht deutlich schlechter qualifiziert als derzeitige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertagesstätten?
Antwort: Zu bedenken ist, dass ein nicht unerheblicher Teil des aktuellen Fachpersonals in deutschen Kitas nicht über eine vollwertige Ausbildung als Erzieher/Erzieherin verfügt. So arbeiten in vielen Kitas Kinderpflegerinnen/Kinderpfleger oder Sozialassistentinnen/Sozialassistenten, deren Anteil allerdings je nach Bundesland unterschiedlich ist. Vergleiche:

www.laendermonitor.de | Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme 2010

Zudem gibt es bereits jetzt in allen Bundesländern die so genannte Externen- oder Nichtschülerprüfung, für Personen die die Auszeichnung „Staatlich anerkannte/r Erzieher/in erhalten möchten, für die jedoch aus unterschiedlichen Gründen die reguläre Ausbildung nicht in Frage kommt.
 
Frage: Ist das Bildungsniveau der Zielgruppe der erwerbslosen Männer nicht unzureichend, wenn überall davon gesprochen wird, dass die Kita-Ausbildung auf Hochschulniveau angehoben werden soll?
Antwort: Mittel- bzw. langfristig ist sicherlich anzustreben, dass alle Fachkräfte im Elementarbereich die Hochschulreife erworben haben, auch wenn sich dies nicht von heute auf morgen umsetzen lässt. Für die aktuellen Qualifizierungsmaßnahmen sollten im Rahmen der Eingangsprüfung der erreichte Schulabschluss gemeinsam mit anderen erworbenen Kompetenzen berücksichtigt werden. Der evt. Erwerb eines höheren Schulabschlusses könnte Bestandteil einer längerfristigen individuellen Bildungsplanung sein.
Wir sehen die geplanten Maßnahmen als Element einer vielfältigen und durchlässigen Qualifizierungsstruktur für den Elementarbereich bis hin zum Hochschulabschluss – für Männer wie für Frauen.

Frage:
Wie sieht das Curriculum der geplanten Maßnahmen aus, und wer soll es durchführen?
Antwort: Dies ist noch nicht festgelegt. Die Idee einer tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung langzeiterwerbsloser Männer für den Erzieherberuf orientiert sich konzeptionell an einem Projekt das bereits seit 2005 vom Berliner Institut für Frühpädagogik BIfF als Träger dieser Maßnahme erfolgreich im Land Brandenburg durchgeführt wird. Kooperationspartner dieser Maßnahme sind das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg sowie das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg. Zielgruppe der Maßnahme sind langzeiterwerbslose Männer im Land Brandenburg mit einem mittleren Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

Frage: Hat die Einführung einer zweijährigen Ausbildung nicht einen Verlust von Qualität und darüber hinaus eine Abwertung des gesamten Berufsstandes zur Folge?
Antwort: Vor dem Hintergrund, dass sich der Bereich der Frühpädagogik zunehmend professionalisiert und unseres Erachtens eine Erhöhung des Männeranteils nicht zu Lasten der pädagogischen Qualität gehen darf, müssen Ausbildungsprogramme für erwerbslose und umschulungsinteressierte Männer dem Umfang und dem Niveau einer Erzieherfachschulausbildung entsprechen. Die tätigkeitsbegleitende Qualifizierung aus Brandenburg, mit einem Curriculum von 2.100 Zeitstunden in der Kindertagesstätte und 1.200 Seminarstunden sowie einer Gleichwertigkeitsfeststellung zum staatlich anerkannten Erzieher entspricht unseres Erachtens nach diesen hohen Anforderungen.
Auch die externe Evaluation des „Brandenburger Modells“ durch die pädquis gGmbH, die eineinhalb Jahre nach dem Abschluss des ersten Durchgangs durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass es in der pädagogischen Qualität keine größeren Differenzen zwischen den von im Modell qualifizierten Männern geführten Gruppen und denen von traditionell ausgebildeten Erzieherinnen gab. Die hier evaluierten männlichen Fachkräfte sind „gleichermaßen sensitiv und involviert im Umgang mit den Kindern wie ihre weiblichen Kolleginnen und drücken denselben Grad an Akzeptanz gegenüber den Kindern aus“ (Gralla-Hoffmann, Antunes, Stoewer & Tietze, 2010, 29). Vielmehr waren Faktoren auf Einrichtungsebene bedeutsamer als Unterschiede zwischen den qualifizierten männlichen Fachkräften und einer Vergleichsstichprobe von Erzieherinnen im Landkreis.
Die Autorinnen und Autoren schließen aus ihren Ergebnissen: „Die Maßnahme, langzeitarbeitslose Männer mit dem hier gegebenen Grad an Vorbildung in der gegebenen Form zu qualifizieren und als Erzieher anzuerkennen, erscheint prinzipiell als ein gangbarer Weg, beides zu erreichen: den Arbeitsmarkt zu entlasten und besonders auch männliche Erzieher für den Kindertagesstättenbereich zu gewinnen. Nach den vorliegenden  Ergebnissen im Praxisfeld dieses Personenkreises spricht nichts dagegen, entsprechende Bemühungen verstärkt fortzusetzen“ (ebenda, S. 29).
Wir verstehen die geplanten Maßnahmen als Chance für mehr Vielfalt und nicht zuletzt damit als Bausteine einer umfassenden Qualitätsentwicklung in Kitas, die einer gesellschaftlichen Aufwertung des Arbeitsfeldes dient.

Frage: Widerspricht eine Maßnahme, die sich nur an Männer richtet, nicht dem Gleichbehandlungsgrundsatz?
Antwort: Nein. Angesichts der quantitativen Dominanz von Frauen sowohl in der Ausbildung als auch im Berufsfeld macht es Sinn, gezielte gleichstellungsorientierte Maßnahmen zu konzipieren, die sich an Männer richten. Umgekehrt gibt es ja auch in von Männern dominierten Bereichen der Arbeitswelt begründete Maßnahmen, die sich gezielt an Frauen richten.

Frage: Besteht nicht die Gefahr, dass Männer die Ausbildung als „Durchgangsstation“ sehen, um möglichst schnell eine Qualifizierung zu erwerben, um sich danach doch auf andere Arbeitsbereiche hin zu orientieren?
Antwort: Die geplanten Maßnahmen sollen gezielt für den Elementarbereich qualifizieren. Wichtig ist, dass sich nach der Erstausbildung weitere Qualifizierungsperspektiven und Karriereoptionen in diesem Arbeitsfeld eröffnen. Dies gilt im Übrigen für Frauen gleichermaßen.

Frage:
Sind angesichts des bevorstehenden Fachkräftemangels die angekündigten Maßnahmen nicht nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“?
Antwort: Das stimmt. Angesichts des zu erwartenden Fachkräftemangels ist es aber besonders dringlich, gerade Männer gezielt anzusprechen, da ansonsten zu befürchten ist, dass zwar die absolute Zahl der männlichen Fachkräfte steigt, der relative Anteil dagegen sogar sinkt, wie dies z.B. in anderen Ländern zu beobachten ist.

Frage: Wenn von einer Anhebung des Ausbildungsniveaus auf Hochschulniveau die Rede ist, müssten Initiativen zur Erhöhung des Männeranteils dann nicht viel eher männliche Abiturienten ansprechen als erwerbslose Handwerker?
Antwort: Nicht entweder–oder, sondern sowohl–als auch! Auch und gerade an Hochschulen sind Initiativen erforderlich, um Männer für ein Studium der Bildung und Erziehung in der Kindheit zu interessieren, was übrigens auch für das Studium des Grundschullehramtes gilt. Die Koordinationstelle Männer in Kitas setzt sich daher dafür ein, Strategien zur Erhöhung der Zahl männlicher Pädagogen auf allen Ebenen zu entwickeln und umzusetzen.

Frage: Gehen die geplanten Maßnahmen nicht am Ziel vorbei, so lange an den Strukturen des traditionell schlecht bezahlten und niedrig bewerteten „Frauenberufs“ nichts geändert wird?
Antwort: Das stimmt. Darum müssen gleichzeitig die Rahmenbedingungen des Arbeitsfeldes insgesamt verbessert werden. Die Koordinationsstelle Männer in Kitas setzt sich für eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung des gesamten Arbeitsfeldes und eine Aufwertung aller Fachkräfte im Bereich der Elementarpädagogik ein. Dazu gehören Qualitätsentwicklung und –sicherung in Ausbildung und Praxis, eine Anhebung des Ausbildungsniveaus, Erweiterung von Karriereoptionen und mittelfristig eine finanzielle Besserstellung des fachlich qualifizierten Personals.

Frage: Reichen Umschulungsmaßnahmen aus, um den Männeranteil in Kitas zu erhöhen?
Antwort: Sicherlich nicht. Vielmehr wird es um einen langjährigen Bewusstseinswandel gehen, der den Kreislauf von stereotypen Geschlechterbildern und einer entsprechenden traditionellen Geschlechterordnung, Arbeitsteilung und Arbeitsbewertung durchbricht.

Frage: Braucht es nicht anstelle kurzfristiger Maßnahmen ein Gesamtkonzept für Geschlechtergleichstellung in Kindertageseinrichtungen?
Antwort: Natürlich. Einer der Hauptgründe für den geringen Männeranteil in Kindertagesstätten liegt in einer traditionellen Geschlechterordnung begründet, die zu stereotypen Geschlechterbildern und einer entsprechenden Arbeitsteilung führt. Eine Geschlechterordnung, die sich auch dadurch auszeichnet, dass frühkindliche Erziehung Frauen zugewiesen wird und so genannte Frauenberufe, wie der Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers, eine geringe soziale Anerkennung erfahren und in der Regel schlechter entlohnt werden als so genannte Männerberufe. All diese Gründe wirken als Barrieren und versperren Männern den Weg in den Erzieherberuf.
 

Zudem gibt es bereits jetzt in allen Bundesländern die so genannte Externen- oder Nichtschülerprüfung, für Personen die die Auszeichnung „Staatlich anerkannte/r Erzieher/in erhalten möchten, für die jedoch aus unterschiedlichen Gründen die reguläre Ausbildung nicht in Frage kommt.

 

Frage: Ist das Bildungsniveau der Zielgruppe der erwerbslosen Männer nicht unzureichend, wenn überall davon gesprochen wird, dass die Kita-Ausbildung auf Hochschulniveau angehoben werden soll?

Antwort: Mittel- bzw. langfristig ist sicherlich anzustreben, dass alle Fachkräfte im Elementarbereich die Hochschulreife erworben haben, auch wenn sich dies nicht von heute auf morgen umsetzen lässt. Für die aktuellen Qualifizierungsmaßnahmen sollten im Rahmen der Eingangsprüfung der erreichte Schulabschluss gemeinsam mit anderen erworbenen Kompetenzen berücksichtigt werden. Der evt. Erwerb eines höheren Schulabschlusses könnte Bestandteil einer längerfristigen individuellen Bildungsplanung sein.

Wir sehen die geplanten Maßnahmen als Element einer vielfältigen und durchlässigen Qualifizierungsstruktur für den Elementarbereich bis hin zum Hochschulabschluss – für Männer wie für Frauen.

Frage: Wie sieht das Curriculum der geplanten Maßnahmen aus, und wer soll es durchführen?

Antwort: Dies ist noch nicht festgelegt. Die Idee einer tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung langzeiterwerbsloser Männer für den Erzieherberuf orientiert sich konzeptionell an einem Projekt das bereits seit 2005 vom Berliner Institut für Frühpädagogik BIfF als Träger dieser Maßnahme erfolgreich im Land Brandenburg durchgeführt wird. Kooperationspartner dieser Maßnahme sind das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg sowie das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg. Zielgruppe der Maßnahme sind langzeiterwerbslose Männer im Land Brandenburg mit einem mittleren Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

Frage: Hat die Einführung einer zweijährigen Ausbildung nicht einen Verlust von Qualität und darüber hinaus eine Abwertung des gesamten Berufsstandes zur Folge?

Antwort: Vor dem Hintergrund, dass sich der Bereich der Frühpädagogik zunehmend professionalisiert und unseres Erachtens eine Erhöhung des Männeranteils nicht zu Lasten der pädagogischen Qualität gehen darf, müssen Ausbildungsprogramme für erwerbslose und umschulungsinteressierte Männer dem Umfang und dem Niveau einer Erzieherfachschulausbildung entsprechen. Die tätigkeitsbegleitende Qualifizierung aus Brandenburg, mit einem Curriculum von 2.100 Zeitstunden in der Kindertagesstätte und 1.200 Seminarstunden sowie einer Gleichwertigkeitsfeststellung zum staatlich anerkannten Erzieher entspricht unseres Erachtens nach diesen hohen Anforderungen.

Auch die externe Evaluation des „Brandenburger Modells“ durch die pädquis gGmbH, die eineinhalb Jahre nach dem Abschluss des ersten Durchgangs durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass es in der pädagogischen Qualität keine größeren Differenzen zwischen den von im Modell qualifizierten Männern geführten Gruppen und denen von traditionell ausgebildeten Erzieherinnen gab. Die hier evaluierten männlichen Fachkräfte sind „gleichermaßen sensitiv und involviert im Umgang mit den Kindern wie ihre weiblichen Kolleginnen und drücken denselben Grad an Akzeptanz gegenüber den Kindern aus“ (Gralla-Hoffmann, Antunes, Stoewer & Tietze, 2010, 29). Vielmehr waren Faktoren auf Einrichtungsebene bedeutsamer als Unterschiede zwischen den qualifizierten männlichen Fachkräften und einer Vergleichsstichprobe von Erzieherinnen im Landkreis.

Die Autorinnen und Autoren schließen aus ihren Ergebnissen: „Die Maßnahme, langzeitarbeitslose Männer mit dem hier gegebenen Grad an Vorbildung in der gegebenen Form zu qualifizieren und als Erzieher anzuerkennen, erscheint prinzipiell als ein gangbarer Weg, beides zu erreichen: den Arbeitsmarkt zu entlasten und besonders auch männliche Erzieher für den Kindertagesstättenbereich zu gewinnen. Nach den vorliegenden Ergebnissen im Praxisfeld dieses Personenkreises spricht nichts dagegen, entsprechende Bemühungen verstärkt fortzusetzen“ (ebenda, S. 29).

Wir verstehen die geplanten Maßnahmen als Chance für mehr Vielfalt und nicht zuletzt damit als Bausteine einer umfassenden Qualitätsentwicklung in Kitas, die einer gesellschaftlichen Aufwertung des Arbeitsfeldes dient.

Frage: Widerspricht eine Maßnahme, die sich nur an Männer richtet, nicht dem Gleichbehandlungsgrundsatz?

Antwort: Nein. Angesichts der quantitativen Dominanz von Frauen sowohl in der Ausbildung als auch im Berufsfeld macht es Sinn, gezielte gleichstellungsorientierte Maßnahmen zu konzipieren, die sich an Männer richten. Umgekehrt gibt es ja auch in von Männern dominierten Bereichen der Arbeitswelt begründete Maßnahmen, die sich gezielt an Frauen richten.

Frage: Besteht nicht die Gefahr, dass Männer die Ausbildung als „Durchgangsstation“ sehen, um möglichst schnell eine Qualifizierung zu erwerben, um sich danach doch auf andere Arbeitsbereiche hin zu orientieren?

Antwort: Die geplanten Maßnahmen sollen gezielt für den Elementarbereich qualifizieren. Wichtig ist, dass sich nach der Erstausbildung weitere Qualifizierungsperspektiven und Karriereoptionen in diesem Arbeitsfeld eröffnen. Dies gilt im Übrigen für Frauen gleichermaßen.

Frage: Sind angesichts des bevorstehenden Fachkräftemangels die angekündigten Maßnahmen nicht nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“?

Antwort: Das stimmt. Angesichts des zu erwartenden Fachkräftemangels ist es aber besonders dringlich, gerade Männer gezielt anzusprechen, da ansonsten zu befürchten ist, dass zwar die absolute Zahl der männlichen Fachkräfte steigt, der relative Anteil dagegen sogar sinkt, wie dies z.B. in anderen Ländern zu beobachten ist.

Frage: Wenn von einer Anhebung des Ausbildungsniveaus auf Hochschulniveau die Rede ist, müssten Initiativen zur Erhöhung des Männeranteils dann nicht viel eher männliche Abiturienten ansprechen als erwerbslose Handwerker?

Antwort: Nicht entweder–oder, sondern sowohl–als auch! Auch und gerade an Hochschulen sind Initiativen erforderlich, um Männer für ein Studium der Bildung und Erziehung in der Kindheit zu interessieren, was übrigens auch für das Studium des Grundschullehramtes gilt. Die Koordinationstelle Männer in Kitas setzt sich daher dafür ein, Strategien zur Erhöhung der Zahl männlicher Pädagogen auf allen Ebenen zu entwickeln und umzusetzen.

Frage: Gehen die geplanten Maßnahmen nicht am Ziel vorbei, so lange an den Strukturen des traditionell schlecht bezahlten und niedrig bewerteten „Frauenberufs“ nichts geändert wird?

Antwort: Das stimmt. Darum müssen gleichzeitig die Rahmenbedingungen des Arbeitsfeldes insgesamt verbessert werden. Die Koordinationsstelle Männer in Kitas setzt sich für eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung des gesamten Arbeitsfeldes und eine Aufwertung aller Fachkräfte im Bereich der Elementarpädagogik ein. Dazu gehören Qualitätsentwicklung und –sicherung in Ausbildung und Praxis, eine Anhebung des Ausbildungsniveaus, Erweiterung von Karriereoptionen und mittelfristig eine finanzielle Besserstellung des fachlich qualifizierten Personals.

Frage: Reichen Umschulungsmaßnahmen aus, um den Männeranteil in Kitas zu erhöhen?

Antwort: Sicherlich nicht. Vielmehr wird es um einen langjährigen Bewusstseinswandel gehen, der den Kreislauf von stereotypen Geschlechterbildern und einer entsprechenden traditionellen Geschlechterordnung, Arbeitsteilung und Arbeitsbewertung durchbricht.

Frage: Braucht es nicht anstelle kurzfristiger Maßnahmen ein Gesamtkonzept für Geschlechtergleichstellung in Kindertageseinrichtungen?

Antwort: Natürlich. Einer der Hauptgründe für den geringen Männeranteil in Kindertagesstätten liegt in einer traditionellen Geschlechterordnung begründet, die zu stereotypen Geschlechterbildern und einer entsprechenden Arbeitsteilung führt. Eine Geschlechterordnung, die sich auch dadurch auszeichnet, dass frühkindliche Erziehung Frauen zugewiesen wird und so genannte Frauenberufe, wie der Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers, eine geringe soziale Anerkennung erfahren und in der Regel schlechter entlohnt werden als so genannte Männerberufe. All diese Gründe wirken als Barrieren und versperren Männern den Weg in den Erzieherberuf.

Weiterführende Informationen:

Balluseck, Hilde von (2010): Qualifikationsrahmen, Quereinstiege und die (Männer-) Quote - Aktuelle Herausforderungen an die Ausbildung von ErzieherInnen. In: www.erzieherin.de /qualifikationsrahmen-quereinstiege-und-die-maenner-quote.php; Erscheinungsdatum: 1. Juli 2010

Hilde von Balluseck | Text online lesen

www.biff.eu/startseite | Berliner Institut für Frühpädagogik BIfF

www.mbjs.brandenburg.de/media_fast/5527/CB_Bericht20100422_korr.pdf | Qualifizierung von langzeitarbeitslosen Männern zu Erziehern im Land Brandenburg - Evaluation ihrer pädagogischen Praxis im Berufsfeld

www.erzieherin-online.de/beruf/ausbildung/nichtschueler.php |

 

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Kommentare (1)

Alexander Ulrich 03 Dezember 2010, 11:47

Ich verstehe viele Bedenken,der klassisch ausgebildeten Erzieher,aber ich bin aus dem Saarland und warte eigentlich sehnsüchtig auf diese Umschulungsmaßnahme.
Ich bin seit Jahren praktizierender Tages-und Pflegevater und möchte über diese Schiene meinen Nebenberuf in einen Hauptberuf umwandeln.
ich hoffe,daß schnellstmöglich eine politische Entscheidung getroffen wird und möchte auch mal einen anderen Blickwinkel bei den Kritikern Öffnen.

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