ErzieherIn.de
mehrere Kinder

Rechtsanspruch auf Kitaplatz ab dem zweiten Lebensjahr: Erwerbsbeteiligung von Müttern wird steigen und Kinder können in ihrer Entwicklung profitieren

09.08.2013 Kommentare (1)

Durch den seit 1. August geltenden erweiterten Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung bereits ab dem zweiten Lebensjahr werden kurzfristig mehr Mütter arbeiten. Zusätzlich können Kinder kurz- und mittelfristig in ihrer Entwicklung profitieren, wenn sie früher eine Kita besuchen. Dies betrifft insbesondere Zwei- bis Dreijährige und bestimmte Gruppen von Grundschulkindern.

"Der Ausbau der Kindertagesbetreuung ist aus familien-, arbeitsmarkt- und bildungsökonomischen Aspekten zu begrüßen", fasst DIW-Expertin Katharina Wrohlich die Teilergebnisse einer größeren Evaluationsstudie zusammen, die sie mit C. Katharina Spieß und Kai-Uwe Müller im aktuellen DIW Wochenbericht vorstellt. Die Forscher haben für ihre Analysen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und der Zusatzstichprobe "Familien in Deutschland" (FiD) verwendet.

Die öffentlich subventionierte Kindertagesbetreuung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie die Simulationsstudien der Forscher ergaben, würde die Müttererwerbstätigkeit bei einem Wegfall der Subventionierung deutlich sinken: Wenn Eltern für die Kosten der Kinderbetreuung komplett selbst aufkommen und nicht nur die üblichen Beiträge zahlen müssten, würden insbesondere Mütter von zwei- und dreijährigen Kindern sehr stark reagieren und ihr Arbeitsangebot um knapp zehn beziehungsweise elf Prozentpunkte (oder 27 Prozent) reduzieren. Stehen aber – entgegen dem Status quo - mit der Einführung des Rechtsanspruchs genügend Kita-Plätze ab dem zweiten Lebensjahr zur Verfügung, wäre in der Folge kurzfristig mit einem Anstieg der Müttererwerbstätigkeit um zwei Prozentpunkte zu rechnen. "Das ist beachtlich, denn es handelt sich dabei ja nur um den zusätzlichen Anstieg aufgrund des Rechtsanspruchs", erläutert Katharina Wrohlich. "Der Anteil der Kita-Kinder in dieser Altersgruppe steigt bereits seit einigen Jahren und wird weiter steigen. Die sozialen Normen haben sich in diesem Bereich verändert." Der Rechtsanspruch fördere also die Erwerbstätigkeit von Müttern und verringere somit die Risiken von Arbeitslosigkeit und Altersarmut.

Auch die Entwicklung von Kindern kann durch die frühe Kita-Betreuung positiv beeinflusst werden. So sind beispielsweise Kinder, die bereits im zweiten und dritten Lebensjahr eine Kita besuchen, in ihren Alltagsfertigkeiten weiter entwickelt als andere Kinder. Grundschulkinder, die früh in einer Kita betreut wurden, sind in ihrem sozio-emotionalen Verhalten gefestigter. Dies ist insbesondere bei Kindern aus Familien mit einem niedrigen Einkommen oder mit mehreren Kindern der Fall. Insgesamt haben die Forscher keine negativen Effekte gefunden, wenn Kinder schon im zweiten und dritten Lebensjahr eine Kita besuchen. Allerdings setzt eine gute Entwicklung eine sehr gute pädagogische Betreuungsqualität in den Einrichtungen voraus. "Der Rechtsanspruch ab dem zweiten Lebensjahr darf nicht auf Kosten der Qualität gehen. Im Gegenteil: Da gibt es in Deutschland noch einen sehr großen Nachholbedarf", sagt DIW-Bildungsökonomin C. Katharina Spieß.

Ansprechpartner

Quelle: bildungsklick.de

Ihre Meinung ist gefragt!

Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (1)

  • Carola:
    22.08.2013 um 14:04 Uhr

    Es gibt nicht genug Arbeit für Alle! Mütter wie Väter, die alleinerziehend sind, haben nicht mehr die Wahl, sich dem Kind zu widmen. Kinder kommen in die Obhut Fremder, damit Eltern für den kranken Arbeitsmarkt zu Verfügung zu stehen. Die Gelder werden rausgeschmissen, Bildung übertrieben hoch gehalten. Wo bleibt die Menschlichkeit, die Raum für Zeit und Geborgenheit für Kinder durch Eltern ermöglicht? Und weshalb sollten weniger Gebildete Menschen nicht in der Lage sein, ein Krippenkind oder Kitakind gut zu betreuen? Es zu fördern und zu begleiten? Kinderpflegerinnen werden noch immer ausgebildet, finden aber in Universitätsstädten kaum eine Beschäftigung. Erzieherinnen müssen her, deshalb müssen Kinderpflegerinnen sich weiter ausbilden. Wer da keinen Realschulabschluss in der Tasche hat bleibt auf der Strecke. Schon 0979 hieß es, dass eine Kinderpflegerinnen Schule schließen sollte, weil sie wenig Beschäftigung finden. Später wurde die Sozialassistentin Schule ins Leben gerufen. Wohin soll das alles führen? So viel Geld wird verpulvert, und an den wirklich bedürftigen Stellen kommt es nicht an.

    Antworten


Kommentar schreiben



Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Erlaubte Tags: <strong><em><br>Kommentar hinzufügen:


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.




Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

ErzieherIn.de wird gefördert von:

Wehrfritz

Seit über 80 Jahren ist Wehrfritz Komplettausstatter für Krippen und Kindergärten. Das Sortiment umfasst innovative Möbel, Raumkonzepte, Außenspielgeräte, ausgewählte Spiel- und Lernmaterialien.
www.wehrfritz.de

Stellenmarkt

18.07.2019 Erzieher, Sozialarbeiter oder Sozialpädagoge (w/m/d) für Familienhilfe, Pforzheim
pro familia Pforzheim e.V.
18.07.2019 Pädagogische Fachkräfte (w/m/d) für Kindertagesstätte, Jesteburg
Samtgemeinde Jesteburg
17.07.2019 Erzieher (w/m/d) für Betriebskindertagesstätte, Koblenz
Katholisches Klinikum Koblenz-Montabaur
weitere Stellen

Newsletter für Fachkräfte

Alle zwei Monate kostenlose Infos jetzt abonnieren.

Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Susanne Viernickel, Anja Voss, Elvira Mauz: Arbeitsplatz Kita. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2017. 202 Seiten. ISBN 978-3-7799-3313-7.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Holger Brandes, Markus Andrä, Wenke Röseler u.a.: Macht das Geschlecht einen Unterschied? Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. 197 Seiten. ISBN 978-3-8474-0616-7.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Feed Icon RSS-Feed abonnieren
RSS der Kommentare abonnieren

Feed Icon Folgen Sie uns auf Facebook

Nutzen Sie auch die Angebote unseres Herausgebers socialnet: