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Rahmenbedingungen für LeiterInnen von Kindertageseinrichtungen

30.03.2009 Kommentare (1)

Im Rahmen des Projekts Profis in Kitas der Robert Bosch Stiftung hat die Arbeitsgruppe Praxis die Rahmenbedingungen erarbeitet, die für eine gute Qualität von Kitas erforderlich sind. Diese Rahmenbedingungen wurden interpretiert im Hinblick auf die Qualitätsziele, die Kitas - und das heißt: die LeiterInnen - erreichen sollen. Deutlich wird auch hier, dass das Kita-Personal nicht alle Faktoren, die die Qualität beeinflussen, bestimmen kann.

„Qualitätsziele für Fachpolitik und Träger von Kindertagseinrichtungen

Qualitätsziele für Kindertageseinrichtungen können dann umgesetzt werden, wenn die politischen Akteure die Rahmenbedingungen entsprechend gestalten. Dabei stellt die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland eine zusätzliche Herausforderung für die Durchsetzung von Qualitätszielen dar. Es sind die Länder und Kommunen, die für die Durchsetzung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) verantwortlich sind, während die Träger die Umsetzung in der Praxis gestalten.

  • Auf der ministeriellen Ebene werden Vereinbarungen mit den Trägern zur Qualitätsentwicklung in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe getroffen, derenUmsetzung innerhalb einer angemessenen Zeit für die Träger verbindlich ist. Gegenstand dieser Vereinbarungen ist auch die personelle und finanzielle Ausstattung ausbildender Einrichtungen.
  • Träger unterstützen ihre Einrichtungen darin, die Anforderungen an die Planung und Durchführung von Praxisphasen der Studierenden bei der Personalplanung wie auch bei der Personalentwicklung zu berücksichtigen.
  • Träger gewähren den in den Einrichtungen tätigen Fachkräften Freistellungen für Weiterbildung, Ausbildungsaufgaben und Supervision, damit sie ihre Handlungskompetenz reflektieren und anhand von praktischen Erfahrungen und theoretischen Erkenntnissen kontinuierlich weiterentwickeln können.
  • Träger integrieren den Ausbildungsauftrag als einen wesentlichen Bestandteil von Qualitätsentwicklung und -sicherung in ihr Entwicklungskonzept und bringen sich mitgestaltend in die Ausbildung ein.
  • Träger gewährleisten die Teilnahme ihrer Mitarbeiter an verschiedenen Formen der Qualifizierung für die Ausbildungsaufgaben ihrer Praxiseinrichtungen (Seminare, Teamberatung, Qualitätsentwicklung, Supervision), damit sie ihre Handlungskompetenz reflektieren und anhand von praktischen Erfahrungen und theoretischen Erkenntnissen kontinuierlich weiterentwickeln können.
  • Träger unterstützen regionale Netzwerke von Praxiseinrichtungen und Hochschulen, um die Ausbildungsfunktion der Tageseinrichtungen fachöffentlich zu thematisieren und nachhaltig zu sichern.

Qualitätsziele für Kindertageseinrichtungen

Die Kindertageseinrichtung als Ort der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern

  • Die Kindertageseinrichtung unterstützt Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung aller Mädchen und Jungen auf vielfältige Weise und regt deren Selbstbildungskräfte an. Sie trägt der Komplexität kindlicher Bildungsprozesse Rechnung und bietet Anregungen und Herausforderungen für die ganzheitliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Bildungsbereichen.
  • Die Mitarbeiter haben ein gemeinsames Leitbild und ein Konzept, das die Orientierung an der Lebenswelt der Kinder und ihrer Familien aufzeigt und die Umsetzung des jeweils geltenden Bildungsprogramms verdeutlicht.
  • Zum Konzept der Einrichtung gehören daher die qualifizierte Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern und die Netzwerkarbeit im Sozialraum.

Die Kindertageseinrichtung als lernende Organisation

  • Die Einrichtung strebt eine Systematisierung und Professionalisierung ihres Entwicklungsprozesses an und klärt Informationsflüsse an den internen und externen Schnittstellen in Kooperation mit ihrem Träger.
  • Die Einrichtung kooperiert mit den Hochschulen, deren Studierende sie als Praktikantinnen aufnimmt. Die Mitarbeiter verstehen die Zusammenarbeit als Chance, wichtige Anregungen für die eigenen Bildungsprozesse und die Entwicklung eines neuen professionellen Selbstverständnisses zu erhalten und neue Erkenntnisse der frühpädagogischen Forschung zeitnah in die Praxis zu integrieren.
  • In der Einrichtung wird Entwicklungsprozessen aller Akteure Raum gegeben. Die Kommunikation und Interaktion zwischen allen Beteiligten in der Einrichtung ist von wechselseitiger Anerkennung geprägt.
  • Die Einrichtung hat Formen des begleitenden und unterstützenden Miteinanders institutionalisiert. Sie stellt Möglichkeiten für einen offenen, unterstützenden und reflektierenden Erfahrungsaustausch bereit durch:
    • Fort- und Weiterbildungen
    • Teamsitzungen
    • Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns, z. B. durch Supervision mit prozessbegleitender Reflexion
    • Fallbesprechungen
    • Selbst- und Fremdevaluation
    • Konfliktlösung durch Partizipation und Kooperation“

Aus: Frühpädagogik studieren - Orientierungsrahmen des Projekts Profis für Kitas der Robert Bosch Stiftung. http://www.profis-in-kitas.de/fruepaedagogik%20studieren/orientierungsrahmen-druckversion

Freistellung von LeiterInnen

Die hohe Verantwortung von LeiterInnen müsste eigentlich dazu führen, dass sie, insbesondere in größeren Kitas, für ihre Aufgaben weitgehend von der Gruppenarbeit freigestellt sind. Dies ist - abhängig von Größe der Kita und abhängig von den Vorschriften des Bundeslandes sehr unterschiedlich geregelt. Die Freistellung von LeiterInnen ist in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich geregelt. Wir dokumentieren Auszüge aus dem Zahlenspiegel des Deutschen Jugendinstituts.

Aus Birgit Riedel: Das Personal in Kindertageseinrichtungen.In: DJI: Zahlenspiegel 2007 (http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Publikationen/zahlenspiegel2007/01-Redaktion/PDF-Anlagen/Kapitel-07,property=pdf,bereich=zahlenspiegel2007,sprache=de,rwb=true.pdf)

Hervorhebungen von der Redaktion

„Als Leitungskräfte werden in der Statistik jene Mitarbeiter/-innen gezählt, die für ihre Leitungstätigkeit zur Gänze vom Gruppendienst freigestellt sind. Anteilig freigestellte Einrichtungsleitungen sind demnach in dieser Zahl nicht erfasst. Die Leitungskräfte stellen für die Kindertageseinrichtungen eine wichtige Ressource dar. Ohne sie gibt es oft nicht den nötigen Spielraum, um die vielfältigen Aufgaben wahrzunehmen, mit denen Kindertageseinrichtungen zunehmend konfrontiert werden. Umso kritischer ist daher auch dieser Rückgang zu sehen. Zwischen 2002 und 2006 ist die Zahl der freigestellten Leitungskräfte regelrecht eingebrochen: Von 19.600 ging ihre Zahl um nahezu ein Drittel auf 13.500 zurück. Eine entsprechende Entwicklung war hierbei quer durch fast alle Bundesländer zu beobachten (S. 173).“

Leitungskräfte ...sollen sich um Qualitätsprozesse, Elternarbeit, Vernetzung in den Stadtteil, Kooperationen usw. kümmern - um nur einige der Stichworte aus den aktuellen Debatten zu nennen. In der Praxis gibt es für diese zusätzlichen Aufgaben allerdings nur wenig Spielraum. So machen freigestellte Leitungskräfte in Deutschland nur 3,3% an allen Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen aus. Der Anteil variiert zusätzlich zwischen den Bundesländern, wo bei Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit Leitungsantei len von über 5% am häufigsten über freigestellte Leitungskräfte verfügen.
Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in (Groß-)Städten und Ballungsräumen die Einrichtungen im Schnitt größer sind als auf dem Land und Leitungskräfte daher eher in den Genuss einer Freistellung gelangen. Bayern bildet mit 0,4% das Land mit dem geringsten Anteil an freigestellten Leitungskräften. Trotz der im Durchschnitt deutlich größeren Einrichtungen in Ostdeutschland sind freigestellte Leitungskräfte dort nicht häufiger anzutreffen als in den westdeutschen Ländern. Tendenziell können in Ostdeutschland Einrichtungen erst ab einer Einrichtungsgröße von 100 und mehr Betreuungsplätzen auf eine freigestellte Leitungskraft zurückgreifen. In Westdeutschland ist dies demgegenüber ab einer Einrichtungsgröße von mehr als 75 Betreuungsplätzen der Fall. In beiden Landesteilen, insbesondere aber auch in Berlin, wurden Freistellungen für Leitungskräfte in den letzten Jahren erheblich eingeschränkt, etwa in der Form, dass die Kinderzahl hinaufgesetzt wurde, ab der eine Freistellung erfolgt. Dies hat dazu geführt, dass sich die Zahl der betreffenden Mitarbeiter/-innen gegenüber 2002 um nahe zu ein Drittel verringert hat. Man kann davon ausgehen, dass dies in den Kindertagesstätten zu einer erheblichen Arbeitsverdichtung geführt hat. Trotz der zunehmend komplexeren Aufgabenstellungen müssen Leitungsaufgaben somit mehr und mehr nebenher geleistet werden.“

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Kommentare (1)

  • Monika Knappe:
    06.05.2009 um 20:52 Uhr

    Ich bin selbst Leiterin im Gruppendienst. Zu unserer Einrichtung (50 Kinder von 0-6) gehört auch eine Hort-Außenstelle (30 Kinder). Meine Leitungs-Pflichtaufgaben kann ich nur noch nach Dienstschluss - am Feierabend - erledigen. Die geamte Palette der Verantwortungsbereiche erdrückt fast, weil die Zeit absolut nicht ausreicht. Ich liebe meinen Beruf und lerne gern, aber ich brauche auch Zeit zum Auftanken - hab ich kaum noch - normal ist das nicht. Was muss passieren, damit die Politik endlich bessere Rahmenbedingungen für die frühkindliche Förderung und mehr Leitungsstunden zur Verfügung stellt? M.K.

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