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mehrere Kinder

Offener Brief über die aktuelle Situation in bayerischen Kindertageseinrichtungen

Veronika Lindner

24.08.2020 | Fachkommentar Kommentare (3)

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um meine und die Sicht vieler anderer Beschäftigter in Kindertageseinrichtungen nachzuvollziehen, für die ich hier stellvertretend schreibe.

Bereits vor der Corona-Krise wurde immer wieder darüber diskutiert, dass die Bedingungen in Kindertageseinrichtungen nicht ausreichend sind, um den Kindern den bestmöglichen Start in die Bildung zu ermöglichen. Die Corona-Krise verschärfte diese Situation noch weiter. Vielfältige Studien belegen schon seit vielen Jahren, dass die Bedingungen in der frühkindlichen Bildung unzureichend sind, einige Studien finden Sie am Ende dieses Textes. 

Es fehlt an Vielem. Eine Auswahl möchte ich im Folgenden nennen und dazu Verbesserungsvorschläge anmerken. 

  • In den bayerischen Kindertageseinrichtungen liegt die aktuelle, reguläre Gruppenstärke im Kindergarten bei 25 Kindern und im Krippenbereich bei zwölf Kindern. Diese Größe ist unter normalen Umständen zu viel und hat neben dem sehr hohen Geräuschpegel noch viele andere negative Auswirkungen (vgl. Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern, 2015). Die von der EU empfohlene Gruppengröße liegt bei Kindern zwischen zwei und drei Jahren bei fünf bis acht, bei drei- bis vierjährigen bei acht bis zwölf und bei vier- bis fünfjährigen bei zwölf bis 15 (vgl. Bertelsmannstiftung, 2004). Zudem würde das Ansteckungsrisiko von Covid-19 durch kleinere Gruppen verringert werden, da weniger Kontaktpunkte entstehen.
  • Mit dem vorherigen Punkt einhergehend folgt der unzureichende Personalschlüssel. Regulär arbeitet eine pädagogische Fachkraft und eine Hilfskraft in einer Kindergartengruppe, in Krippengruppen gibt es teilweise noch eine zweite Hilfskraft. Unter Voraussetzung, dass alle Stellen besetzt sind, was durch den Fachkräftemangel nicht immer der Fall ist, herrscht trotz alledem ein Mangel an Personal, durch Fehlzeiten wie Krankheit, Fort- und Weiterbildungen, Urlaubstage, Überstundenabbau, Leitungsfreistellung, Elterngespräche, Vorbereitungszeiten etc. Diese werden nicht immer in die Personalschlüsselberechnung mit einbezogen. Dies führt zwangsweise zu Situationen, in denen eine Fachkraft alleine in der Gruppe arbeiten muss, wodurch die Aufsichtspflicht schnell verletzt werden kann, da es unmöglich ist alleine bis zu 25 Kinder im Blick zu behalten. Der Personalschlüssel müsste daher zwingend angehoben werden. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt bereits seit 2016 einen Personalschlüssel von 1:3 für unter 3-jährige und 1:7,5 für Kindergartenkinder. Die EU vertritt diesen Personalschlüssel bereits seit 2004 (vgl. Bertelsmann Stiftung, 2004). Hier ist ein deutliches Versäumnis seitens der Regierung zu erkennen. Des Weiteren sollten Fehlzeiten und Krankheitstage ab dem ersten Krankheitstag in die Personalschlüsselberechnung mit einbezogen werden, um nicht nur die Aufsichtspflicht zu gewährleisten, sondern auch den Kindern qualitativ hochwertige Bildung zu garantieren.
  • Pädagogischen Fachkräften fehlt häufig die Vorbereitungszeit. Diese ist notwendig, um beispielsweise Elterngespräche vorzubereiten und zu führen, Kooperation mit der Grundschule zu betreiben, die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren und pädagogische Angebote vorzubereiten. All diese Aufgaben müssen laut dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) erfüllt werden. Laut der Bertelsmann Stiftung verbringen pädagogische Fachkräfte 25% ihrer Arbeitszeit mit organisatorischen Aufgaben, laut GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) sind es sogar 33% (vgl. Herrmann, 2020). Die Regierung hat im Bildungs- und Erziehungsplan nicht verpflichtend festgelegt, dass die pädagogischen Fachkräfte Vorbereitungszeit erhalten, weshalb es in vielen Einrichtungen keine Vorbereitungszeit gibt, so dass diese Aufgaben während der Zeit mit den Kindern erledigt werden müssen. Eine verpflichtende Vorbereitungszeit ist wichtig, damit wir die Forderungen, die die Regierung an uns stellt, umsetzen können.
  • In den meisten EU-Ländern, z.B. in den skandinavischen Ländern, deren Bildungssystem immer wieder als Vorzeigeobjekt genutzt wird, ist der Beruf des Erziehers ein Studienberuf. Hierzulande ist der Beruf eine Ausbildung. In Bayern dauert diese fünf Jahre, die wichtig sind, um alle Bereiche kennen zu lernen und ein breites Fachwissen aufzubauen. Vermehrt haben mehr Fachkräfte den Wunsch weiter zu studieren. Ein Studienabschluss führt jedoch meistens zu keiner entgeltlichen Aufwertung, da dies nicht im TVÖD verankert ist. Das wäre jedoch notwendig, damit sich pädagogische Fachkräfte weiter qualifizieren und den Kindern bessere Bildung bieten können. Wir leisten genauso wichtige Arbeit wie GrundschullehrerInnen. Deshalb sollten wir auch so entlohnt werden, wie es Bundesfamilienministerin Frau Giffey 2018 schon selbst gefordert hat (vgl. Kumm, 2018).
  • Kita-Leitungen haben immer mehr organisatorische Aufgaben. Gesetzlich gibt es keine Regelungen für die Freistellung von Leitungstätigkeiten. Auch eine Unterstützung durch stellvertretende Leitungen ist nicht verpflichtend geregelt, weshalb es in vielen Einrichtungen keine Stellvertretungen gibt, die die Leitungen entlasten könnten. Dies führt dazu, dass sich Leitungen in einem Spannungsfeld zwischen der pädagogischen Arbeit mit den Kindern und den organisatorischen Aufgaben befinden. Kita-Leitungen benötigen gesetzlich keine zusätzliche Weiterbildung. Hier reicht die Ausbildung zur ErzieherIn aus, um diese sehr anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen, für die jedoch wesentlich mehr Wissen notwendig ist. Das belegt auch die „Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte“ (wiff) (vgl. Strehmel/ Ulber, 2014). Wenn die Regierung hier einheitliche Regelungen vorschreiben würde, wäre sowohl den Kita-Leitungen als auch den Kindern, den Eltern und der Allgemeinheit geholfen, da sie kompetent Entscheidungen treffen und Qualität vorantreiben könnten.
  • Der letzte Punkt beschäftigt sich mit Corona bedingten Erfahrungen. Das Kita-Personal arbeitete während der ersten Welle ohne große Schutzvorkehrungen. Eine Maskenpflicht ist aufgrund pädagogischer Gründe nicht umsetzbar oder sinnvoll. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Gruppen klein bleiben, Personal und Kinder regelmäßig getestet werden, Kinder und Beschäftigte mit Krankheitsanzeichen zuhause bleiben, ausreichend Personal zur Verfügung steht, Rücksicht auf unsere Bedürfnisse als Fachkräfte genommen wird. Die Infektionsgefahr kann z.B. durch Luftfiltergeräte, eine höhere Quadratmeterzahl pro Kind, begrenzte Betreuungszeiten und vieles mehr gering gehalten werden. In unserem Bereich müssen die pädagogischen Gründe im Vordergrund stehen. Vor allem für die jüngeren Kinder ist Mimik, Struktur, Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit und Beständigkeit wichtig, um in diesen verrückten Zeiten Vertrauen fassen zu können und gut in den Kindertageseinrichtungen ankommen zu können.

Ich habe immer wieder den Eindruck, dass Kindertageseinrichtungen vorrangig als Betreuungsorte gesehen werden, nicht als Bildungsorte, die sie eigentlich sind. Gerade durch die Corona-Krise wurde dies wieder deutlich. Es ging vorzugsweise um die Betreuung der Kinder. Die Bildung stand stark im Hintergrund. Es mussten zusätzliche organisatorische Aufgaben von den Fachkräften übernommen werden. Externe Kräfte konnten uns zudem nicht unterstützen und es stand weniger Personal zur Verfügung, aufgrund von Risikogruppen und festen Bezugspersonen in den Gruppen. Es konnte nur noch wenig Bildung stattfinden. Leider werden die pädagogischen Fachkräfte nur selten als Experten für die frühkindliche Bildung angesehen. Ich fordere hiermit, dass wir mehr in Entscheidungen mit einbezogen werden und Mitspracherecht haben, wenn es z.B. um Hygienepläne oder Maskenpflicht in der pädagogischen Arbeit geht.

In letzter Zeit wurde von der Regierung sehr viel Geld in die Hand genommen, um der Corona-Krise weitestgehend entgegen zu steuern. Dies war wichtig und auch richtig, damit die Wirtschaft am Leben bleibt. Doch auch die sozialen Einrichtungen sind wichtig, was sich zuletzt besonders durch die Corona-Krise zeigte. Ohne uns ist es nahezu unmöglich, dass Eltern arbeiten gehen und die Kinder gut in die Schule starten können. Kitas sind die ersten institutionellen Bildungsorte für Kinder. Hier wird der Grundstein gelegt. Deshalb muss in diesen Bereich mehr Geld in langfristige Verbesserungen investiert werden, damit das Beste für die Kinder erreicht wird und mehr Fachkräfte in diesem Bereich gerne und engagiert arbeiten können.

Helfen Sie mit die Welt ein Stück besser zu machen. Setzten Sie sich ein. Zusammen sind wir stark! Die Kinder, die Beschäftigten und die Gesellschaft wird es Ihnen danken!

Veronika Lindner ist staatlich anerkannte Erzieherin und arbeitet als Gruppenleitung, in einer im Jahr 2019 neu eröffneten Krippengruppe in Regensburg. Zuvor hat sie bereis in anderen Kinderkrippen und Kindergärten Erfahrungen gesammelt. Außerdem ist sie Studentin im sechsten Semester des Studiengangs „Frühpädagogik - Leitung und Management in der frühkindlichen Bildung“ an der DIPLOMA Hochschule.

Quellen:

Bertelsmannstiftung, 2004: Qualität für Kinder unter DREI in Kitas. Empfehlungen an Politik, Träger und Einrichtungen: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Qualitaet_fuer_Kinder_unter_drei_in_KiTas_Empfehlungen_an_Politik__Traeger_und_Einrichtungen.pdf

Bertelsmannstiftung, 2016: Qualitätsausbau in KiTas 2016. 7 Fragen zur Personalausstattung in deutschen KiTas 7. 7 Antworten der Bertelsmann Stiftung: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Laendermonitoring_Fruehkindliche_Bildungssysteme/7fragen_7antworten_web.pdf

Herrmann, 2020: Personalschlüssel / Fachkraft-Kind-Relation: https://www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=9:personalschluessel&catid=55

Kumm, 2018: Giffey will Erzieher so gut bezahlen wie Grundschullehrer: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-03/bildungspolitik-franziska-giffey-lehrer-erzieher-lohn-angleichung

Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern, 2015: Jahresbericht: https://www.lagus.mv-regierung.de/serviceassistent/_php/download.php?datei_id=1576945

Strehmel/ Ulber, 2014: Leitung von Kindertageseinrichtungen: http://www.weiterbildungsinitiative.de/publikationen/details/data/leitung-von-kindertageseinrichtungen/

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Kommentare (3)

Andrea Uhl 21 September 2020, 16:43

Ich freue mich sehr über diesen Artikel und dass dieser hier veröffentlicht ist. Ich kann alles nur bestätigen, sehe aktuellen Handlungsbedarf und hoffe, dass sich da jetzt etwas verändern wird.

Seit 5 Jahren arbeite ich nun in einer Kita als Gruppenleiterin in einem Kindergarten. Die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Freude und ich konnte in den letzten Jahren vielfältige Erfahrungen sammeln. Aufgrund meiner 20 jährigen Berufserfahrung als Dipl. Sozialpädagogin und einigen Jahren, die ich im Büro gearbeitet habe, ist es mir selbst ein sehr großes Anliegen auf die äußert schwierigen Arbeitsbedingungen in Kita´s aufmerksam zu machen.

Ihr Fachartikel beschreibt auch mein Anliegen, dass es sinnvoll wäre, die Kindergartengruppen zu verkleinern, da die Erzieher/innen den Kindern so besser gerecht werden können. Dies dient vor allem dem Kinderwohl und es geht um die seelische Entwicklung der Kinder, aber auch um die Umsetzung des Bildungsauftrages der im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan verankert ist.

Leider musste ich den letzten zwei Jahren erleben, was es bedeutet, wenn man in dieser wirklich anspruchsvollen Arbeit mit den Kindern unterbesetzt ist. Dies führt zu Arbeitsbedingungen, die unzumutbar sind, was automatisch Auswirkungen auf die Kinder hat.

Durch die Corona Maßnahmen hat sich die allgemeine Lage noch verschärft, da die Erzieherinnen in den Gruppen auch die Randzeiten abdecken müssen (Frühdienst & Spätdienst), die Kinder nicht mehr gemischt werden dürfen und es auch keine offenen oder teiloffenen Angebote oder Spielmöglichkeiten gibt und die 25 Kinder so alle in einem Raum bzw. Gartenteil betreut werden müssen.

Was die pädagogische Arbeit betrifft, durfte ich auch die Erfahrung machen, wie man mit einer Gruppe von 21 Kindern arbeiten kann. Mit dieser kleineren Gruppe konnten wir wesentlich mehr Projekte und Ausflüge machen. Wir waren regelmäßig im Wald und haben verschiedene Orte und Einrichtungen besucht, z.B. Bäcker, Museum, Mühle…und wir konnten auch im Haus Projekte mit kleinen Gruppen durchführen z.B. Yoga, Theateraufführungen, Vorschule, Sprachförderung. Wir wurden immer auch gerne von den Eltern unterstützt. Mit der größeren Gruppe sind diese Art von Projekte nicht mehr möglich, da ich meine Kollegin nicht mit so vielen Kindern alleine lassen kann.

Ich halte es für eine pädagogisch hochwertige Arbeit mit den Kindern, zu deren Wohl und um dem Bildungsauftrag des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans gerecht zu werden, für erforderlich, dass die Gruppengröße im Kindergarten auf max. 20 Kinder pro Gruppe reduziert wird.

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie möchte ich noch auf die Tatsache hinweisen, dass psychische Erkrankungen bei Jugendlichen in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Die Seelenkräfte und auch die Ressilienz von Kindern und Jugendlichen wird in der frühen Kindheit grundgelegt. Hier ist zu bedenken, dass unsere Kinder heutzutage zunehmend mit 12 Monaten in eine Kita kommen, ihre frühe Kindheit sich ganztägig in Krippe und Hort abspielt und sie anschließend vermutlich ganztags Schule und Hort besuchen.

Ich sehe hier dringenden Handlungsbedarf zum Wohle der Kinder und für die Zukunft unserer Gesellschaft. Ich wäre sehr daran interessiert, dass wir ggf. auch mit einer Petition an die Öffentlichkeit gehen.

Anonym 24 August 2020, 20:43

"Erzieherinnen sowie Betreuungspersonal

haben ein nur geringes Risiko, sich bei Beachtung der Hygieneregeln durch Kontakte während der

Kindertagesbetreuung anzustecken.

Aufrechterhaltung des Regelbetriebs bei Risiko-angepasstem Schutz des Personals

Auch wenn das geringe Erkrankungs- und Übertragungsrisiko der Kinder bei Einhaltung einiger grundlegender

Hygieneregeln mit einem geringen Ansteckungsrisiko für das Betreuungspersonal assoziiert ist, sind Infektionen,

die durch Kinder übertragen werden, nicht auszuschließen. Die daraus resultierenden Ängste des Personals in

der Kindertagesbetreuung sind ernst zu nehmen. Das Risiko einer Ansteckung kann jedoch durch ein Bündel

konkreter Präventionsmaßnahmen soweit reduziert werden, dass es das Ansteckungsrisiko einer allgemeinen

Lebensführung nicht übersteigt.

Erzieherinnen und Erzieher sind ebenso wie Lehrerinnen und Lehrer von herausragender Bedeutung für den

uneingeschränkten Zugang unserer Kinder zu altersentsprechenden Bildungs- und Entwicklungschancen

innerhalb von Gruppen, Klassen und Kursen. Ihre tägliche Arbeit ist für unsere Gesellschaft nicht nur system-,

sondern zukunftsrelevant. Die überwiegende Mehrheit des Personals in der Kindertagesbetreuung ist sich dessen

sehr wohl bewusst und gibt auch in schwierigen, belastenden Zeiten ihr Bestes."



Ein Auszug aus :

Leitfaden

zum Umgang mit Kindern mit

Erkältungssymptomen

in der

Kindertagesbetreuung

Bayrische Landesregierung

Gültig ab 1.9.2020



Es ist verantwortungslos, Erzieherinnen und Mitarbeiter von Kitas als Versuchskaninchen an vorderster Front einzusetzen.

Angelika Mauel 24 August 2020, 19:18

Danke für Ihr Engagement, Frau Lindner! Es ist wichtig, aber meiner Meinung nach nicht konkret genug für unsere Politiker. Enthalten sein müsste, was Erzieherinnen demnächst nicht mehr mitzumachen gedenken.



Alles was Franziska Giffey gesagt hat und was die Bertelsmann-Stiftung verkündet hat, ist unseren Volksvertretern bestens bekannt. Es ist ihnen wurscht, dass bundesweit Erzieherinnen (und auch Lehrer) Kinder in Räumen zu betreuen haben, die sich längst nicht alle vernünftig lüften lassen. Standen in den letzten Tagen die Fenster, wie empfohlen offen, tauchte bestimmt auch in Bayern immer wieder mal das Problem mit Wespen auf, die jetzt, wo die Tage länger werden, wieder schneller zustechen. Fliegengitter aber wurden nicht zur Verfügung gestellt. - Stattdessen wurden vermutlich die Fenster geschlossen.



In wie vielen Betreuungsverträgen haben Eltern sich damit einverstanden erklärt, dass Kinder nicht krank betreut werden und dass sie bei Krankheit abgeholt werden müssen? In NRW scheint mir eine entsprechende Klausel üblich zu sein, in Bayern hoffentlich auch. Doch das bundesweite Getöse zugunsten einer politisch gewollten Betreuung aller Kinder auf zu wenig Platz soll nun dazu führen, dass ErzieherInnen devot auf ihre Fachkompetenz verzichten?



Zu große Geduld ist ein Problem unserer Berufsgruppe, wenn es um die Arbeitsbedingungen und Betreuungskonditionen geht. Kinder brauchen und verdienen diese Geduld, aber irgendwann müssen wir auch mal am Ende mit unserer Geduld sein und selbst bestimmen, wo die Grenze des Zumutbaren überschritten ist. Sie wurde doch schon überschritten, oder?

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