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Kindeswohl mit zeitlicher Flexibilität der Eltern vereinbaren

25.08.2018 Kommentare (0)

Die wesentliche Herausforderung aller flexiblen Betreuungsformen besteht darin, die kindlichen Bedürfnisse nach Kontinuität und Verlässlichkeit mit dem Wunsch nach zeitlicher Flexibilität der Eltern zu vereinbaren. Instabile flexible Betreuungsgestaltungen können Risiken für das kindliche Wohlergehen mit sich bringen, auch wenn sie der Studien- und Arbeitswelt der Eltern entsprechen. Seit zehn Jahren bietet das Forschungsorientierte Kinderhaus der Frankfurt UAS eine flexible Betreuung an. Sie wurde eingerichtet, um Kinderbetreuungszeiten zur Verfügung zu stellen, die die Eltern, je nach Seminar- und Arbeitszeiten, individuell vereinbaren können. Das gilt für Studierende ebenso wie für Lehrende und Beschäftigte der Hochschule. Zudem wird seit rund 20 Jahren kontrovers über flexible Betreuungsformen diskutiert, seien es Angebote für atypische Arbeitszeiten (abends, nachts, am Wochenende), Platz-Sharing oder passgenaue Angebote für Eltern, die die Wochentage und Zeiten, zu denen ihr Kind betreut wird, individuell vereinbaren möchten. Ziel der Studie „Flexible Kinderbetreuung an der Frankfurt UAS“ war es deshalb, auf der Grundlage der langjährigen Erfahrung empirisch erfasste Qualitätsmerkmale zu charakterisieren, die für entsprechende Angebote auch an anderen Hochschulen nützlich sind und die darüber hinaus die Diskussion über flexible Betreuungsformen befördern. Die Studie wurde von der Frankfurt UAS initiiert, vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert und vom Institut für familiale und öffentliche Erziehung, Bildung, Betreuung e.V. (ifoebb) auf der Grundlage eines differenzierten Forschungsdesigns von 2016 bis 2017 durchgeführt.
„Die Ergebnisse des Forschungsberichts zeigen: Flexible Betreuung an Hochschulen kommt insbesondere Eltern von Kleinkindern entgegen, die ihr Kind überwiegend in der Familie betreuen möchten und nur partiell eine außerfamiliäre Betreuung wünschen bzw. benötigen“, so Prof. Dr. Ute Schaich, wissenschaftliche Begleitung des Forschungsorientierten Kinderhauses und Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS.
Als wesentliche Gelingensfaktoren der flexiblen Betreuung konnten folgende Punkte durch die Studie belegt werden:
1. Zentral sind eine individuelle Buchungsberatung der Eltern zu den Betreuungszeiten mit Blick auf das Kindeswohl (wie sie vom Familienbüro und von der Leitung der Kinderbetreuung des Forschungsorientierten Kinderhauses geleistet werden), eine verpflichtende Eingewöhnung des Kindes sowie ein regelmäßiger Austausch zwischen Eltern und Betreuungskräften.
2. Die Kinder brauchen Kontinuität im Hinblick auf die Betreuungskräfte und die anderen Kinder. Vertrautes von zu Hause ist ebenso wichtig wie die Wiedererkennbarkeit des Betreuungsraums und der Spielmaterialien. Die Vorhersehbarkeit des Betreuungsalltags durch eine bewusste Gestaltung der Übergänge von einem Termin zum nächsten und eine individuelle Beantwortung der Bedürfnisse beim Essen, Schlafen, Spielen und Pflegen muss gegeben sein.
3. Die Mitarbeitenden müssen sorgfältig ausgewählt und an Teambildungstagen eingearbeitet werden, um den Anforderungen dieser innovativen Betreuungsform gerecht werden zu können.
4. Eine grundsätzliche Akzeptanz der flexiblen Betreuung seitens der Hochschule als Beitrag zur Vereinbarkeit von Studium bzw. Beruf und Familie, eine langfristige finanzielle Absicherung in Kooperation mit dem Studentenwerk als Geldgeber sowie eine enge Kooperation mit dem Träger der flexiblen Betreuung (BVZ GmbH).
5. Auf operativer Ebene bedarf es einer Steuerungsgruppe, in der die Kooperation aller zuständigen Personen geregelt und gesichert wird.
Diese Gelingensfaktoren vorausgesetzt, sehen die Forscherinnen des ifoebb positive Effekte für die Entwicklung des Kindes. Denn Kontakte mit anderen Kindern sind als unabdingbar förderlich für die kindliche Sozialisation bereits im Kleinkindalter zu erachten. Durch die Buchungsberatung wird sichergestellt, dass sich dieselben Kinder immer wieder treffen. Dadurch entstehen Spielpartnerschaften – die Kinder beziehen sich aufeinander, beobachten und imitieren, machen „Quatsch“ miteinander, entwickeln gemeinsame Spielhandlungen. Doch nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern profitieren: Manche Studierende könnten sonst Seminare nur unregelmäßig besuchen, nicht für Prüfungen lernen oder an ihnen teilnehmen; manche Lehrende müssten das Kind mit in die Lehrveranstaltung nehmen. Die flexible Betreuung bietet also spezifische Ressourcen und kann als Betreuungsform eigener Art konzipiert werden.
„Um der notwendigen Strukturierung, die für das kindliche Wohlbefinden notwendig ist, auch im Namen Rechnung zu tragen, haben wir uns im Forschungsorientierten Kinderhaus der Frankfurt UAS entschieden, die Bezeichnung flexibel planbare Betreuung einzuführen“, erläutert Schaich. „Den Verantwortlichen des Kinderhauses war immer bewusst, dass eine gute Balance zwischen dem elterlichen Bedarf nach Flexibilität einerseits und dem Bedürfnis des Kindes nach Kontinuität und Zuverlässigkeit andererseits von hoher Bedeutung ist. Das drückt sich auch in der Bezeichnung des Betreuungsbereichs aus. Wir nennen ihn bewusst nicht mehr flexible Betreuung, wie er noch am Anfang hieß, um nicht die vermeintliche Botschaft zu vermitteln, die Kinder könnten beliebig und spontan bei uns untergebracht werden. Mit der Bezeichnung flexibel planbare Betreuung möchten wir zum Ausdruck bringen, dass die flexible Betreuung Kriterien folgt, die das Wohlbefinden des Kindes sichern sollen.“
„Das Ziel unserer Familienpolitik in Hessen ist es, dass sich Paare wieder trauen, frühzeitig Kinder zu bekommen und ihre berufliche Karriere trotzdem verfolgen können“, betont der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner. „Flexible Kinderbetreuung ist ein Zukunftsthema und entspricht dem Bedarf vieler Familien, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie auch von Ausbildung und Beruf gewährleisten zu können.“ Wie wichtig das Thema Familienpolitik der Hessischen Landesregierung ist, belege auch die ab August 2018 eingeführte sechsstündige Beitragsfreiheit für Kinder vom vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Schuleintritt in Kindergärten in Hessen, ergänzt Grüttner. „Das bedeutet für die Eltern nicht nur eine erhebliche Ersparnis und erleichtert ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sie ist auch für Alleinerziehende, die natürlich dieselben Summen sparen, eine große Hilfe. Und für junge Paare schafft es eine Perspektive“, hebt Grüttner hervor.
Die flexible Betreuung (jetzt: flexibel planbare Betreuung) wurde im Jahr 2008 an der Frankfurt UAS (damals FH FFM) eingerichtet. Trägerin ist die BVZ GmbH, der Dienst- und Fachaufsicht obliegen. Die Hochschule stellt die Räume und die Ausstattung zur Verfügung. Das Studentenwerk beteiligt sich an der Finanzierung der Betreuungsplätze. Die flexibel planbare Betreuung bietet Unterstützung für Studierende und Mitarbeitende in Übergangsphasen (z.B. nach der Geburt des Kindes, nach Studienbeginn, während der Suche nach einer Regelbetreuung) und in Sondersituationen (Block- und Prüfungstermine, Schließzeiten der Regelbetreuung). Es können Kinder ab dem Ende des Mutterschutzes bis zum 12. Lebensjahr angemeldet werden. Das Angebot wird überwiegend für unter zweijährige Kinder genutzt. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8:00-18:00 Uhr. Es können nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig anwesend s ein. Die Betreuung kann pro Kind für maximal 15 Stunden pro Woche in Anspruch genommen werden.
Das Forschungsorientierte Kinderhaus ist Teil der Umsetzung des „audit familiengerechte hochschule“, das von der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Frankfurt UAS koordiniert wird. Durch das Audit hat sich die Frankfurt UAS dazu verpflichtet, die Arbeits- und Studienbedingungen so zu gestalten, dass sie mit Familienpflichten gut vereinbar sind. „In diesem Sinne ist es ein Grundanliegen unseres Kinderhauses, Beratungs-, Bildungs- und Betreuungsangebote bereitzuhalten und weiter zu entwickeln, die sowohl an den Bedürfnissen der Kinder als auch an den Bedarfen der Hochschul-Eltern orientiert sind, seien es Studierende, Lehrende oder die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung. Die Erprobung flexibler Betreuungsformen hat dabei einen hohen Stellenwert“, betont Schaich.
Weitere Informationen zu der flexibel planbare Betreuung unter: www.frankfurt-university.de/kinderbetreuung; mehr zum Forschungsorientierten Kinderhaus: www.frankfurt-university.de/kinderhaus.

Quelle: Pressemitteilung der Frankfurt University of Applied Sciences vom 14.8.2018

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