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Kinder- und Jugendmedizin fordert eindringlich Bildungseinrichtungen offenzuhalten

15.09.2021 Kommentare (0)

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) sprechen sich für das Offenhalten der Bildungseinrichtungen aus und nennen Voraussetzungen dafür.

Über die gesamte Dauer der Pandemie haben die pädiatrischen Verbände auf die schwierige Situation der Kinder und Jugendlichen aufmerksam gemacht und sich für deren Wohl eingesetzt. Aufgrund der aktuell wieder stark steigenden Infektionszahlen macht die Kinder- und Jugendmedizin erneut deutlich, wie ihrer Meinung nach sicherer Präsenzunterricht in Schulen und Kitas möglich sein kann.

Kinder- und Jugendmedizin zur aktuellen Corona-Lage in Schulen und Kitas

„Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung haben die Politik überzeugt: Geschlossene Bildungseinrichtungen in der 4. Welle sind kein adäquates Mittel der Pandemiebekämpfung mehr. Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 6. September 2021 zu Quarantäne in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen ist ein deutliches Zeichen dafür. Er ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Zahl der Menschen, die in Quarantäne müssen, wird auf ein Minimum reduziert. Es müssen keine ganzen Schulklassen mehr wochenlang daheimbleiben. Der Schaden wird möglichst geringgehalten.

Impf-Auskunftspflicht wird begrüßt

Die Ausweitung der Impf-Auskunftspflicht von Beschäftigten auf die Bereiche Kita und Schule, die der Bundestag am 7. September 2021 beschlossen hat, ist ein kleiner, aber wichtigen Baustein in der Pandemiebekämpfung. Pädagogisches Personal, das sich bewusst nicht impfen lassen will, sollte der Einschätzung der Kinderärzt/-innen nach stets eine Mund-Nasen-Bedeckung (in der Schule) tragen und regelmäßig getestet werden. Auch eine Pflichtberatung durch den betriebsärztlichen Dienst wäre vorstellbar.

S3 Leitline sollte beachtet werden

Bei mäßigem Infektionsgeschehen ist der Einschätzung der pädiatrischen Gesellschaften nach in Kitas und Grundschulen kein Mund-Nasen-Schutz erforderlich entsprechend den Empfehlungen der S3 Leitlinie „Schulen in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie“. Die Leitlinie wird aktuell überarbeitet und an die aktuelle Lage angepasst. Sie ist die zentrale Richtschnur, an die sich alle Akteure halten sollten. Die Basishygienemaßnahmen müssen zudem konsequent umgesetzt werden (Händewaschen, Lüften).

Lolli-PCR-Pooltests verstärkt einsetzen

Als bestes Testverfahren sehen die Verbände den Lolli-PCR-Pooltest an. Dieser sollte in jedem Bundesland Standard sein und primär anlassbezogen bei hohem Infektionsgeschehen und Ausbrüchen regelmäßig durchgeführt werden. Er ist deutlich aussagekräftiger als die Antigentests und in der Handhabung wesentlich angenehmer.

Impfungen bei Kindern nicht entscheidend zur Verhinderung von Infektionen bei nicht geimpften Erwachsenen

In der Bevölkerung besteht aktuell die Sorge, dass das Infektionsgeschehen deutlich zunehmen könnte. Auch Kinder sollten sich so wenig wie möglich anstecken. Dies gelingt aber nur, wenn die Durchimpfung der Erwachsenen fast vollständig gelingt. Entscheidend ist aber vor allem, dass das Impfziel im Auge behalten wird: Schutz vor Hospitalisierung, schwerer Erkrankung und Tod. Dies wurde bei geimpften Erwachsenen, die die wesentliche Zielgruppe des Schutzes sind, bereits erreicht. Kinder erkranken nur extrem selten schwer. Impfungen bei Kindern und Jugendlichen sind nach Einschätzung der Kinder- und Jugendärzt/-innen nicht entscheidend zur Verhinderung von Infektionen bei nicht geimpften Erwachsenen. Eine Impfung der Altersgruppe <12 Jahre ist zudem außerhalb der derzeitigen Zulassung keine Option.

Hohe Impfquote schützt 12 Millionen Kinder unter 12 Jahren

Der Preis dafür, den freien Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen (Regelbetrieb) und auch sonstigen Angeboten (Jugendarbeit, Sport, Schwimmkurse etc.) weiter einzuschränken, ist auch auf lange Sicht viel gravierender als das von der SARS-CoV-2 ausgehende Risiko bei Kindern.
Die Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte appellieren daher auch jetzt wieder an alle Erwachsenen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Eine möglichst hohe Impfquote ist der wirksamste Schutz für die vulnerablen Personengruppen, die selbst nicht geimpft werden können. Dazu zählen Millionen Kinder unter 12 Jahren."

Die Kinder- und Jugendärzt/-innen appellieren abschließend: „Bitte lassen Sie sich impfen!"

Quelle: Berufsverband der Kinder‐ und Jugendärzte e.V. (BVKJ) vom 10.09.2021

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