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mehrere Kinder

Kinder tragen Hauptlast der Corona-Maßnahmen

25.05.2021 Kommentare (1)

World-Vision-Kinderstudie zeigt vergleichbare Reaktionen auf Mangel bedarfsgerechter Bildungsangebote in Deutschland und Ghana.

Kinder tragen die Hauptlast der Coronapandemie – unabhängig davon, in welchem Land sie leben. Das ist eines der Zwischenergebnisse der 5. Kinderstudie der internationalen Hilfsorganisation World Vision. Die Organisation hat den Lebensalltag von Kindern in Deutschland und Ghana untersucht. Mit überraschenden Erkenntnissen.

Der Lebensalltag von Kindern und Jugendlichen hat sich durch die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen und Kontaktverbote stark verändert. Dieser Ausnahmezustand schränkt die in der UN-Kinderrechtskonvention formulierten Rechte von Kindern auf Freizeit, Spiel und Bildung maßgeblich ein. Im Rahmen der 5. World Vision Kinderstudie wurden im Sommer und Herbst 2020 qualitative Forschungsdaten erhoben, die zeigen, welche Belastungen durch den Lock-Down und das Homeschooling für Kinder entstehen. Ein weiterer Punkt war, ob sich die schon vorher bestehenden Ungleichheiten verschärfen.

In Ghana und Deutschland wurden jeweils 15 Kinder in Tiefeninterviews nach ihren Erfahrungen mit und Reaktionen auf die Pandemie befragt. Vor allem im Bereich Homeschooling gab es viele übereinstimmende Aussagen. So kritisierten die Schülerinnen und Schüler mangelnde technische Ausstattung und nicht bedarfsorientierte Angebote. Caterina Rohde-Abuba leitet die World-Vision-Kinderstudie: „Den Kindern fehlt vor allem das gemeinsame Lernen. Die Interaktion mit anderen Schülerinnen und Schülern trägt im Wesentlichen zum Lernerfolg bei. Die Kinder lernen voneinander. Und dieser Aspekt geht während der Pandemie verloren.“

In Reaktion darauf sind viele der befragten Kinder selbst aktiv geworden. Sie gründeten in Deutschland zum Beispiel WhatsApp-Gruppen. Nur in seltenen Fällen wurden diese Gruppen von Lehrkräften betreut. Rohde-Abuba: „Die Schülerinnen und Schüler unterrichteten sich selbst. Sie gaben sich Tipps, bewerteten Ergebnisse und motivierten sich so zum Weiterlernen.“

In Ghana ist der Zugang zum Internet zwar möglich, der Kauf von Datenvolumen aber kostenträchtig. Hier boten Lehrkräfte kostenlosen Privatunterricht an. Um an diesem teilnehmen zu können, legten Dorfgemeinschaften zusammen und finanzierten gemeinsam das nötige Datenvolumen für die Kinder. Caterina Rohde-Abuba: „Unsere Forschung macht deutlich, dass viele Eindämmungsmaßnahmen der Pandemie nur unter der disziplinierten Mitwirkung von Kindern umgesetzt werden können. Kinder sind Gestalter in der Pandemie! Sie müssen aber aktiv einbezogen und unterstützt werden. Für beide Länder müssen wir feststellen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie Kinder diskriminieren, weil ihre Lebensbereiche wesentlich stärker eingeschränkt werden als die der Erwachsenen.“

Die Interviews wurden mit Kindern aus unterschiedlichen sozialen Millieus geführt. Die Tiefeninterviews dienen der Vorbereitung von repräsentativen Umfragen unter je 2.000 Kindern in Ghana und Deutschland. Die Ergebnisse werden in 2023 veröffentlicht.

Quelle: Pressemitteilung der World Vision vom 27. April 2021

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Kommentare (1)

Angelika 30 Mai 2021, 18:27

Dass der Lockdown Kinder und Jugendliche besonders empfindlich getroffen hat, ist nicht zu leugnen. Vor allem, wenn die Regeln eingehalten wurden, was aber weder überall noch durchgehend der Fall war. Die Jugendlichen, die sich während des ersten Lockdowns vor den Automaten der Bankfilialen trafen, haben sich vorher in der City vor Mac Donalds getroffen. Und Eltern, die es mit den Kontaktverboten nicht so eng sahen, haben ihre Kinder innerhalb eines Mietshauses oder innerhalb der Verwandtschaft oder Nachbarschaft miteinander spielen lassen.

Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass Kinder die Gestalter der Pandemie gewesen wären. Nicht wenige haben es genossen, mehr Zeit mit ihren Eltern und Geschwistern verbringen zu können. Es gab auch Schüler, die daheim besser lernen konnten als in der Schule. Und nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Ungeborene und Babys seltener zu früh oder mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht auf die Welt kamen. https://www.aerzteblatt.de/blog/117551/SARS-CoV-2-Lockdown-fuehrte-zu-weniger-Fruehgeburten - Egal welche Ursache dies bewirkt hat: Es darf davon ausgegangen werden, dass sich der Mutterschutz noch verbessern lässt.

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