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Hilfen für Flüchtlingskinder

09.09.2015 Kommentare (0)

Bundesfamilienministerium: Mehr Hilfen zur Integration junger Flüchtlinge

Sie sind vor Krieg, Armut oder Unterdrückung geflohen – viele sogar allein ohne ihre Eltern: Junge Flüchtlinge brauchen besondere Unterstützung und eine gesicherte Perspektive für ihr Leben in Deutschland. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) startete deshalb am 2. September zusammen mit den Trägern der Jugendmigrationsdienste das Modellprojekt: „Junge Flüchtlinge im Jugendmigrationsdienst". In bundesweit 24 Einrichtungen erhalten junge Flüchtlinge ab sofort spezielle Hilfsangebote mit dem Ziel, sie schneller in die Gesellschaft zu integrieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendmigrationsdienste unterstützen sie dabei, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, sprechen mit Behörden, Schulen oder Betrieben und beziehen auf Wunsch auch die Eltern mit ein. Außerdem vermitteln sie Sprachkurse oder bieten Bewerbungstrainings oder Schulungen zur Kompetenzstärkung an.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig betont: „Junge Flüchtlinge müssen schnell integriert werden: Sprache, Schule, Ausbildung sind die besten Mittel, um sich erfolgreich in die Gesellschaft einbringen zu können. Parallel zum Gesetzentwurf zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher unterstützen wir deshalb mit diesem Modellprojekt die Kommunen dabei, um diese jungen Menschen vor Ort schneller zu integrieren. Die Jugendmigrationsdienste mit ihren weitreichenden Erfahrungen sind dafür als Partner bestens geeignet", so Manuela Schwesig.

Für das Vorhaben stellt das BMFSFJ bis Ende 2017 insgesamt sieben Millionen Euro aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes zur Verfügung. An jedem der 24 Modellstandorte wird der Personalbestand um durchschnittlich ein bis zwei Vollzeitstellen aufgestockt. Die Jugendmigrationsdienste öffnen sich damit einer neuen Zielgruppe. Bisher sind sie nur für junge Migrantinnen und Migranten mit Bleibeperspektive zuständig. Sie begleiten an bundesweit 430 Standorten junge Menschen mit Migrationshintergrund mit einem vielschichtigen Angebot, um ihnen Chancengerechtigkeit und Teilhabe zu ermöglichen.

In dem neuen Modellprojekt ist jedes Bundesland mit mindestens einem Standort vertreten. Um ein tragfähiges Netzwerk anbieten zu können, wird das Projekt eng mit dem Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden" und dem Modellvorhaben „JUGEND STÄRKEN im Quartier" verzahnt. Träger der Jugendmigrationsdienste sind die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit, die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit, die Arbeiterwohlfahrt, der Internationale Bund, das Deutsche Rote Kreuz und Der PARITÄTISCHE.
Weitere Informationen zum Programm und eine Übersicht über die Modellstandorte finden Sie unter www.bmfsfj.de und www.jmd-portal.de

Deutsches Kinderhilfswerk fordert Masterplan für Flüchtlingskindern

Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnt in der Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland ein besonderes Augenmerk auf die Situation der Flüchtlingskinder an. Ein entsprechender Schwerpunkt fehlt in den Beschlüssen des Koalitionsausschusses vom Wochenende. Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes sollte die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern spätestens beim Flüchtlingsgipfel am 24. September einen „10-Punkte-Masterplan" für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingskindern vorlegen.

„Flüchtlingskinder sind in erster Linie Kinder. Für ihre Aufnahme und Integration gelten deshalb die einschlägigen Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention, der Europäischen Grundrechtecharta und des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Diese normieren eindeutig die Vorrangstellung des Kindeswohls bei allen Entscheidungen von Staat und Gesellschaft sowie das Recht der Kinder auf Förderung, Schutz und Beteiligung", betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Die Aufnahme von Flüchtlingskindern ist eine humanitäre Verpflichtung unserer Gesellschaft. Wir sollten die jetzt zu uns kommenden Flüchtlingskinder als dauerhafte Einwanderer und ihren Zuzug als Gewinn für unsere Gesellschaft begreifen."

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ist es notwendig, dass sich Bundesregierung und Bundesländer baldmöglichst auf folgende zehn Punkte zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingskindern verständigen und dementsprechende Maßnahmen auch finanziell absichern:

Flüchtlingskinder sind in erster Linie Kinder

Sie müssen Anspruch auf Leistungen der bestehenden Sozialsysteme haben wie andere Kinder in Deutschland auch. Nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes widersprechen die Lebensbedingungen von Kindern, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, Artikel 27 der UN-Kinderrechtskonvention, wonach jedes Kind ein Recht auf einen seiner Entwicklung angemessenen Lebensstandard hat. Ebenso wird das in Artikel 26 festgelegte Recht auf soziale Sicherheit für Flüchtlingskinder nicht garantiert. Das gilt beispielsweise dann, wenn lediglich Sachleistungen gewährt werden, die eine kindgerechte Ernährung oft nicht möglich machen, wenn die medizinische Behandlung von Kindern auf akute Erkrankungen und Schmerzzustände reduziert wird oder wenn psychosoziale Hilfen nicht gewährt werden, um seelische Traumata von Flüchtlingskindern zu behandeln.

Flüchtlingskinder brauchen einen vollständigen Zugang zu ärztlicher Versorgung

Für Flüchtlingskinder ist mit Hilfe einer regulären Versicherungskarte Zugang zur ärztlichen Versorgung sicherzustellen. Das umfasst sowohl die Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung in den Erstaufnahmeeinrichtungen als auch den Zugang zur medizinischen Standardversorgung nach der Erstaufnahme. Insbesondere eine gute Aufklärung der Eltern über die Sinnhaftigkeit von Impfungen ist wichtig, da so der Schutz von Kindern vor krankheitsbedingten Schäden verbessert werden kann.

Die Inobhutnahmen von unbegleiteten Flüchtlingskindern sind mehr als bisher zu standardisieren und zu verbessern. Kinder, die alleine nach Deutschland einreisen, brauchen sofortigen Schutz und kindgerechte Unterstützung. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dürfen nicht dazu verpflichtet werden, in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu leben. Eine Umverteilung in andere Bundesländer darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Flüchtlingskinder möglich sein.

Kinder gehören nicht in Gemeinschaftsunterkünfte

Die Wohn- und Lebenssituation in Sammelunterkünften birgt für Kinder gesundheitsgefährdende Faktoren, die zu chronischen Krankheiten und psychischen Dauerschäden führen können. Insbesondere die Struktur und Organisation der Unterkünfte, die beengten Wohnverhältnisse, das Fehlen von Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre, der Mangel an Anregung, die nachteiligen hygienischen Zustände und häufige Unruhe führen dazu, dass Kinder ihre elementaren Bedürfnisse nicht ausleben können und in ihrem Spiel- und Bewegungsdrang, ihrer Lernfähigkeit und in ihren Wahrnehmungs- und Erlebnismöglichkeiten eingeschränkt werden. Die Wohn- und Lebensbedingungen in Gemeinschaftsunterkünften fordern Kindern Anpassungsleistungen ab, die sie häufig überfordern und sie in ihrer psycho-sozialen Entwicklung stark gefährden.

Solange Kinder in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, müssen Mindeststandards gegen sexuelle Gewalt vorhanden sein. In Gemeinschaftsunterkünften sind Flüchtlingskinder besonders gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Deshalb braucht es Mindeststandards in den Flüchtlingsunterkünften zum Schutz dieser Kinder. Dadurch soll es potentiellen Täterinnen und Tätern erschwert oder bestenfalls unmöglich gemacht werden, sich den oft traumatisierten und psychisch instabilen Kindern zu nähern und durch den Aufbau von Vertrauen die Grundlage für Übergriffe zu schaffen. Schutzkonzepte müssen sowohl das Personal in den Gemeinschaftsunterkünften als auch Bewohnerinnen und Bewohner in den Blick nehmen, darüber hinaus aber auch Betreuende sowie Patinnen und Paten, die beispielsweise im schulischen Bereich unterstützen oder Freizeitaktivitäten anbieten.

Flüchtlingskinder, die noch nicht schulpflichtig sind, sollten die Möglichkeit zum Besuch einer Kindertageseinrichtung haben. Nie wieder lernen Menschen so viel und mit so großem Spaß wie in den ersten Lebensjahren. Dabei kann eine gute Bildung schon für kleine Kinder die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft befördern und herkunftsbedingte sowie soziale Unterschiede am besten ausgleichen. Zur Integration von Flüchtlingskindern in den Kita-Alltag braucht es Erzieherinnen und Erzieher, die interkulturelle Kompetenzen und Diagnosefähigkeiten haben, um die Möglichkeiten und Fähigkeiten von Flüchtlingskindern zu erkennen und zu fördern. Darüber hinaus bietet ein Besuch einer Kindertageseinrichtung auch eine Abwechslung vom oftmals tristen und impulsarmen Alltag der Flüchtlingsheime.

Der Zugang zu Schulen und Ausbildungsstätten muss sichergestellt werden. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und Ausbildung – ganz gleich, wo es lebt und welchen Aufenthaltsstatus es hat. Dies wird am besten durch eine umfassende Schulpflicht sichergestellt. Schulen, Sprachlerneinrichtungen und Vorbereitungskurse müssen für Kinder aber auch tatsächlich zugänglich sein, sie müssen also örtlich erreichbar sein und die Ausstattung mit den dementsprechenden Ressourcen für Transportmittel und Lehrmittel muss erfolgen.

Asylverfahren sind zum Wohl des Kindes zu gestalten. Die Vorbereitung auf ein Asylverfahren erfordert eine Beratung der Minderjährigen durch eine kultursensibel und geschlechterreflektiert qualifizierte Person ihres Vertrauens. Denn in der Praxis hat sich gezeigt, dass Minderjährige ihre Fluchtgründe oftmals erst nach intensiver Vorbereitung vortragen können.

Die Sicherung der Einheit von Familien mit Kindern muss Ziel der bundesdeutschen Flüchtlingspolitik sein. Zur Sicherung der Einheit von Familien mit Kindern sollte das Aufenthaltsrecht so umgestaltet werden, dass ein Rechtsanspruch auf Familiennachzug auch dann besteht, wenn bereits in Deutschland lebende Familienmitglieder nicht über genügend Wohnraum verfügen und ihren Lebensunterhalt nicht unabhängig von Sozialleistungen bestreiten können. Die derzeitige Praxis zeigt, dass diese hohen Voraussetzungen zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen führen, die der schnellen Integration entgegenstehen. Zu oft scheitern Familienzusammenführungen, was einen extremen Eingriff in das Recht des Kindes auf ein Leben mit seinen Eltern darstellt.

Der Vorrang des Kindeswohls sollte für Flüchtlingskinder gesetzlich verankert werden. Um die Bedeutung der Kinderrechte herauszustellen und den Willen zur vollen Umsetzung der Rechte aus der UN-Kinderrechtskonvention öffentlich zu betonen, ist die Aufnahme von Kinderechten im Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz geboten. Um sicherzustellen, dass im Asylverfahren und bei der Anwendung aufenthaltsrechtlicher Regelungen der Vorrang des Kindeswohls gemäß Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention gewährleistet wird, sollte dieses Prinzip im Gesetzestext an zentraler Stelle verankert werden. Zudem sollte in den Verwaltungsvorschriften bezüglich der Gesetzesnormen, bei denen Ermessensentscheidungen zu treffen sind und die Interessen von Kindern berührt werden, Hinweise auf den Vorrang des Kindeswohls aufgenommen werden.

Eine repräsentative Umfrage von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes im Juni dieses Jahres hatte ergeben, dass zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland eine Verbesserung der rechtlichen Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland fordern. 67 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass alle Kinder, die in Deutschland leben, die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben sollten. Zugleich konnte sich die Hälfte der Bundesbürger (50 Prozent) vorstellen, sich persönlich für Flüchtlingskinder beispielsweise durch Übernahme einer Patenschaft oder durch ehrenamtliche Hilfe zu engagieren, wenn den Kindern damit das Leben in Deutschland erleichtert werden könnte. „Insbesondere die hohe Bereitschaft der Bevölkerung, sich mehr als bisher für Flüchtlingskinder in Deutschland zu engagieren, ist aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ein ermutigendes Zeichen, dass die mit der Zunahme der Flüchtlingszahlen verbundenen Herausforderungen gemeistert werden können", so Krüger abschließend.

Bildungschancen für Flüchtlinge in Deutschland – ein Überblick

Ein neues Dossier des Deutschen Bildungsservers informiert über Grundlagen für Asylsuchende und ihre Möglichkeiten in den einzelnen Bildungsbereichen. Die vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, stellen die gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Bildungswesen zu. Denn Bildung eröffnet den Zufluchtsuchenden – darunter viele Kinder und Jugendliche – neue Chancen und erleichtert die Integration. Doch wie sind Fragen der Bildung von Flüchtlingen in Deutschland eigentlich geregelt, welche Möglichkeiten bieten sich ihnen in den einzelnen Bildungsbereichen und welche grundlegenden Übersichten und unterstützenden Materialien gibt es? Antworten auf diese Fragen gibt ein neues Dossier des Deutschen Bildungsservers. Interessierte erhalten einen systematischen und redaktionell aufbereiteten Überblick über Online-Quellen zu dem Thema.

Eingangs verlinkt das Dossier auf verschiedene Basisinformationen zu Asyl in Deutschland – zu rechtlichen Grundlagen und zum Verfahren, zu aktuellen Zahlen und relevanten Institutionen. Anschließend befasst sich die Informationssammlung eingehend mit den unterschiedlichen Bildungsbereichen: Die Leserinnen und Leser erfahren unter anderem mehr zur Betreuung von Flüchtlingskindern in Kitas, zur Umsetzung des Rechts auf Schule in den einzelnen Bundesländern, zu Unterrichtsmaterialien rund um die Themen Migration, Flucht und Asyl, zu Förderinitiativen, die den Flüchtlingen den Zugang zu Ausbildung und Studium erleichtern sollen, sowie zum Einstieg in den Arbeitsmarkt und zur Sozialarbeit mit jungen, oft unbegleiteten Asylsuchenden. Nicht zuletzt können die Nutzerinnen und Nutzer über das Dossier eine Suche nach Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte und Flüchtlinge in der Metasuchmaschine InfoWeb Weiterbildung aufrufen.
Internetadresse des Dossiers: www.bildungsserver.de/Fluechtlinge-in-Deutschland-Bildungsaspekte-im-Fokus-11422.html

Quellen: Pressemitteilungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 2.9.2015, des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung vom 2.9.2015 und des Deutschen Kinderhilfswerks vom 8.9.2015

 

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