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Forschungs- und Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ startet in Gießen

12.12.2013 Kommentare (0)

Ab dem 3. Dezember 2013 bietet die Gießener Ambulanz des erfolgreichen Forschungs- und Präventionsprojekts „Kein Täter werden“ Menschen mit pädophiler Neigung therapeutische Hilfe unter Schweigepflicht. Die Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel und die Hessische Landesregierung unterstützen das Projekt.

Ziel des Präventionsprojektes ist es, Sexualstraftaten an Kindern sowie den Konsum von Missbrauchsabbildungen bereits im Vorfeld zu verhindern. Personen, die auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien bei sich feststellen, aber keinesfalls Übergriffe begehen wollen, können sich ab sofort unter der Telefonnummer (0641) 985-45111 oder per Mail unter praevention@psycho.med.uni-giessen.de für eine Therapie in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) melden. Das Forschungs- und Präventionsprojekt startet am 3. Dezember 2013 und wird mithilfe der Hessischen Landesregierung zunächst für zwei Jahre finanziert. Es orientiert sich am gleichnamigen Pilotprojekt, das es seit 2005 an der Berliner Charité gibt und wird achter Standort des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“.

„Die Arbeit unserer Kollegen aus dem Präventionsnetzwerk ‚Kein Täter werden‘ zeigt, dass dieses Therapieangebot Menschen mit pädophiler Neigung dabei helfen kann, keine Übergriffe auf Kinder zu begehen“, so Prof. Johannes Kruse, Leiter des Präventionsprojektes in Gießen.

„Das Projekt eröffnet die Möglichkeit, gefährdete Männer zu erreichen und ihnen therapeutische Hilfe anzubieten, bevor sie aufgrund ihrer Neigung Missbrauchstaten an Kindern begehen", sagte Dr. Helmut Fünfsinn, Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung „Strafrecht, Gnadenwesen und Kriminalprävention“ im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, zum Start des Projekts. „Es sei damit gelungen, eine wesentliche Forderung des vom hessischen Landespräventionsrat angeregten Aktionsplans des Landes Hessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen umzusetzen“. Eröffnung und Betrieb der Ambulanz sind durch Zuweisung einer Geldauflage im Rahmen eines Strafverfahrens zunächst für die beiden kommenden Jahre gesichert.

Projektpartner ist die Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel. Deren Vorsitzende Barbara Schäfer-Wiegand, Ministerin a. D., zu dem Engagement der Organisation: „Vorbeugende Maßnahmen sind der beste Kinderschutz, dies gilt ganz besonders für potentielle pädophile Täter. Jede verhinderte Tat schützt ein Kind. Hänsel + Gretel unterstützt deshalb seit Jahren das bundesweite Forschungsprojekt ‚Kein Täter werden‘ und ab sofort auch die Therapie von potentiellen Tätern in Hessen.“

 Die Therapie integriert verhaltenstherapeutische und sexualmedizinische Ansätze, die die Möglichkeit einer medikamentösen Unterstützung beinhalten. Interessenten, die sich um einen der Therapieplätze bewerben wollen, sollten folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen hinsichtlich ihrer pädophilen Neigung über ein Problembewusstsein verfügen und aus diesem Grund von sich aus und ohne gerichtlichen Druck therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Werden sie in das Projekt aufgenommen, können sie kostenlos und durch die therapeutische Schweigepflicht geschützt sowohl eine diagnostische Abklärung ihres Problems als auch therapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen.

Mithilfe einer PR- und Medienkampagne werden Betroffene auf die vorbeugende Therapiemöglichkeit aufmerksam gemacht. Das Motto der Kampagne lautet: „Damit aus Fantasien keine Taten werden!“

Professor Johannes Kruse bringt das Ziel der Anzeigen und des TV-Spots auf den Punkt: „Betroffene sollen die Botschaft erhalten „Du bist nicht schuld an Deinen sexuellen Gefühlen, aber Du bist verantwortlich für Dein sexuelles Verhalten! Es gibt Hilfe! Werde kein Täter!“

Professor Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Berliner Charité, wo das Präventionsprojekt Dunkelfeld 2005 initiiert wurde und Sprecher des Präventionsnetzwerks, ergänzt: „Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass Betroffene mit pädophiler Neigung über eine qualifizierte Medienkampagne mit begleitender Öffentlichkeitsarbeit für eine präventive Therapie erreichbar sind. Die sexualmedizinische Diagnostik erlaubt eine zuverlässige Beurteilung der sexuellen Neigung und deren Risikoeinschätzung. Die Behandlung wiederum ist geeignet sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche zu verhindern“.

Quelle: Pressemitteilung des Netzwerks „Kein Täter werden“ vom 3.12.2013

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