ErzieherIn.de
mehrere Kinder

Förderschulen bleiben

23.03.2013 Kommentare (0)

"Inklusion nimmt in Deutschland an Fahrt auf. Kinder mit Handicaps müssen nicht länger automatisch auf eine getrennte Förderschule gehen", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, mit Verweis auf dendeutlich gestiegenen Inklusionsanteil. Zugleich steige jedoch die Zahl der Förderschüler: Im März 2009, als die UN-Konvention zur Abkehr vomderzeitigen Sonderschulsystem in Kraft trat, lag der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Handicaps an der gesamten Schülerschaft noch bei sechs Prozent. Im Schuljahr 2011/12 betrug er 6,4 Prozent. Insgesamt haben damitrund eine halbe Million Schüler in Deutschland besonderen Förderbedarf. Damit ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die nicht auf einereguläre Schule gehen, seit 2009 von 4,9 auf 4,8 Prozent nur minimalgesunken. Das belege, so Dräger, dass das Doppelsystem aus Regelschuleneinerseits und separaten Förderschulen andererseits unverändert Bestandhabe.

"Solange das Doppelsystem aus Regel- und Förderschulen in der heutigen Form besteht, ist erfolgreiche Inklusion schwierig, weil die Förderschulenjene Ressourcen binden, die dringend für den gemeinsamen Unterrichtbenötigt werden", sagte Professor Klemm. Im vergangenen Jahr hatte Klemmin einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenndie Mittel der derzeitigen Förderschulen weitgehend zu den Regelschulenumgeschichtet würden – bundesweit jährlich 660 Millionen Euro für 9.300zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht inangemessener Qualität anzubieten. Dräger: "Inklusion ist richtig undwichtig, aber die Schulen brauchen Unterstützung und vor allem genügendgut ausgebildetes Personal."

Wie in vielen Bildungsbereichen, sind auch beim Thema Inklusion dieUnterschiede zwischen den Bundesländern enorm groß. Ausbau des gemeinsamenUnterrichts, Stellenwert von Sonderschulen und Anerkennung vonFörderbedarfen – bei allen drei Faktoren weichen die Bundesländererheblich voneinander ab. "Drei Viertel der Schüler auf den separaten Förderschulen schaffen nicht einmal den Hauptschulabschluss", sagte Dräger: "Inklusion ist eine nationale Herausforderung. Trotzdem fehlt esweiterhin an einem gemeinsamen Verständnis der Länder, an inhaltlichen Konzepten und an bundesweiten Standards."

In Bremen (55,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (54,1 Prozent) etwa besuchen mehr als die Hälfte aller Förderschüler eine reguläre Schule. In Niedersachsen (11,1 Prozent) hingegen wird lediglich jeder neunte Förderschüler inklusiv unterrichtet. Die größte Steigerung des Inklusionsanteils seit 2009 verzeichnet Hamburg: Dort hat sich der Anteilder Förderkinder, die eine reguläre Schule besuchen, weit mehr alsverdoppelt (von 14,5 auf 36,3 Prozent). Ähnliches gilt für Sachsen-Anhalt(von 8,6 auf 20,5 Prozent).

Ebenfalls große Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen in der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kind als förderbedürftig eingestuft wird: In Mecklenburg-Vorpommern (10,9 Prozent) haben anteilig mehr als doppelt so viele Schüler besonderen Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen (4,9 Prozent).

Uneinheitlich präsentiert sich Deutschland im Ländervergleich auch bei der Bedeutung der Sonderschulen für das jeweilige Schulsystem. In Schleswig-Holstein beträgt der Anteil der Schüler, die separat unterrichtet werden  nur noch 2,7 Prozent – in Mecklenburg-Vorpommern (7,6 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit auf den Besuch einer getrennten Förderschule fast drei Mal so hoch.

So gibt es Länder, in denen die Bedeutung der Förderschulen stark zurückgegangen ist, allen voran Bremen. Der Anteil der Schüler, die separat unterrichtet werden, ging dort seit 2009 von 4,6 auf 2,8 Prozentzurück. Auch Thüringen hat die Exklusionsquote von 7,5 auf 5,2 Prozenterheblich gesenkt. Dies spiegelt jedoch keinen bundesweiten Trend, denn ineinigen Ländern ist seit Inkrafttreten der UN-Konvention diese Quote sogargestiegen: in Nordrhein-Westfalen (5,3 statt 5,2), Hessen (4,5 statt 4,3),im Saarland (4,4 statt 4,2) und besonders stark in Baden-Württemberg (5,0 statt 4,7 Prozent). "Dem Inklusionsgedanken läuft diese Entwicklungeigentlich zuwider" sagte Dräger.

Ihre Meinung ist gefragt!

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

ErzieherIn.de wird gefördert von:

Seit über 80 Jahren ist Wehrfritz Komplettausstatter für Krippen und Kindergärten. Das Sortiment umfasst innovative Möbel, Raumkonzepte, Außenspielgeräte, ausgewählte Spiel- und Lernmaterialien.
www.wehrfritz.de

Sponsor werden

Newsletter für Fachkräfte

Alle zwei Monate kostenlose Infos jetzt abonnieren.

Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Claudia Nürnberg, Maria Schmidt: Der Erzieherinnenberuf auf dem Weg zur Profession. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. 727 Seiten. ISBN 978-3-8474-2057-6.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Annett Maiwald: Erziehungsarbeit. Springer VS (Wiesbaden) 2018. 897 Seiten. ISBN 978-3-658-21574-3.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Feed Icon RSS-Feed abonnieren


Feed Icon Folgen Sie uns auf Facebook

Nutzen Sie auch die Angebote unseres Herausgebers socialnet: