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Erfrischendes Sprachbad in der Kita dank finnisch-deutscher Städtepartnerschaft

29.04.2021 Kommentare (0)

Anna Saarni, 42 Jahre alt, zog 2013 vom finnischen Tampere nach Essen. Sie berichtet von ihrem Weg nach Deutschland und der Bereicherung des zweisprachigen Kita-Alltags im Kinderhaus Lumiland am Campus. 

Mit Finnland assoziieren manche die finnische Saunakultur mit anschließendem Eisbad. Bei Anna Saarni dreht sich auch einiges ums Baden, aber ums sogenannte Sprachbad. Sie hat Soziale Arbeit studiert, viele Jahre in der drittgrößten Stadt in Finnland gelebt, auch schon als Englischlehrerin in Thailand gearbeitet und spricht drei Sprachen. Als Anna Saarni 2007 das erste Mal in Essen zu Besuch war, so erzählt sie, war sie sofort von Deutschland begeistert und hat zudem noch ihren heutigen Partner kennengelernt. Tampere und Essen sind Partnerstädte und so hat Anna Saarni damals eine Jugendaustauschgruppe begleitet. Ein fast zufälliger Besuch, der ihren Lebensweg stark beeinflussen sollte. Sie und ihr Partner lebten dann erst in Finnland, zogen aber 2013 gemeinsam nach Essen, wo Anna Saarni mittlerweile als bilinguale Fachkraft im Kinderhaus Lumiland am Campus arbeitet. Die Anerkennung ihres Studienabschlusses läuft noch. Erst muss die Finnin noch deutsches Sozial- und Familienrecht nachholen. „Die offizielle Anerkennung meines Studiums möchte ich schwarz auf weiß haben, auch wenn ich dafür nochmal an die Uni muss“, so die pädagogische Fachkraft.

RWE-Kita arbeitet seit Jahren erfolgreich mit der Immersionsmethode

Im Kinderhaus Lumiland am Campus, der betriebsnahen Kinderbetreuungseinrichtung der RWE, arbeitet in jeder Gruppe zusätzlich eine englischsprachige Fachkraft, die ausschließlich Englisch mit den Kindern spricht. Die Arbeit nach der Immersionsmethode kann auch als Sprachbad übersetzt werden. Dahinter verbirgt sich also kein wöchentlicher Sprachunterricht, sondern die Kinder erwerben die neue Sprache durch Zuhören und Mitmachen – ebenso wie die Muttersprache. Anna Saarni erklärt, wie gut die Kleinkinder damit umgehen: „Für die Kinder ist das ganz klar. Die sagen sich, aha, die Frau Saarni spricht immer Englisch.“ Im Team und mit den Kindern untereinander mag sich das dann auch mal witzig anhören – denn wenn z. B. ihre Kollegin in der Gruppe ihr eine Frage auf Deutsch stellt, antwortet Anna Saarni auf Englisch. So bleibt es für die Kinder eindeutig und die Finnin ist überzeugt, „dass das Team im Lumiland hinter dem Konzept steht und möchte, dass es funktioniert.“

Fünf neue Gruppen: Die Kita in Essen wächst

Die pädagogische Fachkraft schätzt an der Kita neben dem sehr engagierten Team vor allem die Freiheit, die vielen Ideen, die sie haben, auch umzusetzen. Neben den persönlichen Spielräumen gibt es auch gute Strukturen, wie z. B. klare Rollen und Aufgaben im Früh- oder Spätdienst sowie eingespielte Rituale in den Teams. Das unterstützt die pädagogischen Fachkräfte im Alltag mit den Kindern und gibt Halt und Orientierung. „Wenn jemand ein Team sucht, wo man sich weiterentwickeln darf und kann, dann kann ich unser Haus auf jeden Fall empfehlen“, so die 42-Jährige. Mit Blick auf die nahe Zukunft, wenn fünf neue Gruppen dazukommen, glaubt die Finnin, dass sie und das Team, zusammen mit dem Träger Impuls Soziales Management Die Familienexperten gGmbH, dafür gut gewappnet sind. Impuls, erklärt die Pädagogin, „ist immer dran an dem, was gerade aktuell ist und was auch in naher Zukunft noch aktuell sein wird.“

 „Qualität in der Kita und Bilingualität hängen für mich eng zusammen.“

Es macht Anna Saarni große Freude zu erleben, welche Fortschritte die Kleinen Tag für Tag machen: „Wenn ich bei den Kindern sehe, dass sie jetzt verstehen, water ist das Gleiche wie Wasser, wenn es also klick gemacht hat, dann ist das ein besonderer Moment.“ Wenn Anna Saarni den Morgenkreis auf Englisch leitet, gibt es englische Spiele und Lieder. Darüber hinaus finden sich englische Spielmaterialien in jeder Gruppe. Ein Kind, das neu in die Gruppe kommt, bekommt beim ersten Rundgang durch die Gruppe viel gezeigt und damit werden ihm schon einzelne wichtige Worte wie glass oder toilet nähergebracht. Durch Wiederholungen und das Zeigen und Benennen von Objekten fällt es den Kindern leichter, in der Gruppe mit zwei Sprachen anzukommen. Die englische Sprache ist also ganz alltäglich für Kinder und Erwachsene. Die bilingualen Fachkräfte tauschen sich einmal im Monat im Arbeitskreis über neue Fachbücher und Fortbildungen zum Thema aus, teilen die englischsprachigen Materialien untereinander oder besprechen wissenschaftliche Studien. Für Anna Saarni ist klar: „Qualität in der Kita und Bilingualität hängen für mich eng zusammen.“ Das Arbeiten in zwei Sprachen bedeutet auch Herausforderungen, die von den deutsch- als auch von den englischsprachigen Mitarbeitern mit hoher Flexibilität gemeistert werden. Wenn beispielsweise die englischsprachigen Erklärungen zum Mischen von Wasserfarben von einem Kind noch nicht verstanden werden, wird eine weitere pädagogische Fachkraft dazugebeten, die die Herstellung seiner Lieblingsfarbe nochmal auf Deutsch umschreibt. Dabei variiert sie die Sätze, damit es für das Kind keiner Eins-zu-eins-Übersetzung gleichkommt. „Im Alltag kommen häufig Situationen vor, wo die Kinder beide Sprachen, Deutsch und Englisch, für ihren Lernprozess benötigen. Da muss man häufig auch neue Wege finden, damit die Botschaft bei den Kindern ankommt“, so Anna Saarni.

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