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Die Rückkehr der Kinder verantwortungsbewusst gestalten

15.04.2020 | Politik, Kommentare (0)

Freiburg/Berlin, 15. April 2020. Der Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) - Bundesverband e.V. warnt davor, das Bildungs- und Betreuungsangebot in Kindertageseinrichtungen kurzfristig wieder in vollem Umfang anzubieten. „Was die Träger und die pädagogischen Fachkräfte in unseren Kitas jetzt brauchen, sind klar definierte Aufnahmekriterien, die aus medizinischer, hygienischer und sozialer Sicht eine verantwortbare Wiederaufnahme des pädagogischen Alltags ermöglichen“, so der Vorsitzende des KTK-Bundesverbandes, Clemens Bieber. „Dort, wo es erforderlich war, haben unsere Kitas in den zurückliegenden Wochen Notprogramme für Kinder angeboten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Aufgrund der Bedeutung der Kindertagesbetreuung reichen diese Angebote aber nicht aus, um Ungerechtigkeiten in Bildungsfragen zu verhindern und Eltern, die auf eine Erwerbstätigkeit angewiesen sind, zu unterstützen“, betont der Würzburger Domkapitular. Nach Auffassung des KTK-Bundesverbandes ist eine schrittweise Wiederaufnahme der Angebote von Kindertageseinrichtungen erforderlich, bei der aber nicht nur die Belange der Kinder und Eltern, sondern auch die Personalsituation unter den pädagogischen Fachkräften berücksichtigt werden. „Von den über 650.000 Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen sind laut Statistischem Bundesamt 17,5 Prozent älter als 55 Jahre“, darauf verweist Frank Jansen. Der Geschäftsführer des KTK-Bundesverbandes unterstreicht, dass diese Mitarbeitenden dem Robert Koch Institut zu Folge einer Risikogruppe zugeordnet werden müssen und bei einer Wiederaufnahme des Bildungs- und Betreuungsangebots erst einmal nicht zur Verfügung stünden. Zu berücksichtigen seien dabei auch pädagogische Fachkräfte mit risikorelevanten Vorerkrankungen.

„Wir müssen allen Kindern Bildung ermöglichen, und dies verantwortlich und behutsam, so Clemens Bieber. Nach Auffassung des KTK-Bundesverbandes sind bei einer schrittweisen Wiederaufnahme des Bildungs- und Betreuungsangebots in Kindertageseinrichtungen zunächst folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  • Ausweitung der Notbetreuung auf maximal zehn Kinder pro fester Gruppe bei einer Raumgröße von 60 Quadratmetern,
  • wenn erforderlich, Angebote des Platz-Sharing in getrennten Gruppen an jeweils zwei bis drei Tagen in der Woche, oder wochenweise,
  • die Betreuung der Kinder hat durch ein gleichbleibend zusammengesetztes Team zu erfolgen,
  • Gemeinschaftsflächen wie Flure, Bildungsecken und Bewegungsräume dürfen nur von jeweils einer Gruppe genutzt werden,
  • Kindern von alleinerziehenden berufstätigen Eltern, oder deren Eltern beide in Vollzeit arbeiten, beziehungsweise deren Familien auf beengtem Wohnraum leben, ist eine Betreuung sicherzustellen,
  • pädagogische Fachkräfte, die selbst zu einer Risikogruppe gehören, oder die in einem Haushalt mit Risikopatienten leben, werden im pädagogischen Alltag nicht eingesetzt,
  • die Beachtung aller Hygienevorschriften durch alle Beteiligten,
  • Kindertageseinrichtungen sind ausreichend mit Desinfektionsmitteln für Hände und Flächen auszustatten.

Mit Blick auf das Gespräch der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Nachmittag bewertet der KTK-Bundesverband die auf Kindertageseinrichtungen bezogene Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina kritisch. „In einem ersten Schritt ausschließlich fünf bis sechsjährige Kinder aufzunehmen, damit diese gut auf den Übergang in die Grundschule vorbereitet sind, entspricht nicht dem bildungs- und betreuungspolitischen Profil unserer Kindertageseinrichtungen“, darauf weist Frank Jansen hin. „Wir sind dazu da, uns mit allen Bedarfslagen der Kinder und Familien solidarisch zu erklären, und in dieser Situation nicht ausschließlich die Schulvorbereitung in den Mittelpunkt zu stellen.“

Quelle: KTK-Bundesverband

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