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mehrere Kinder

Brauchen wir mehr Männer in Kitas?

Hilde von Balluseck

21.02.2015 Kommentare (0)

In der neuen Ausgabe von Frühe Bildung finden sich zwei Beiträge zur Diskussion um Männer in Kitas.

Lotte Rose analysiert in ihrem Beitrag "Das 'gute' und das 'schlechte' Geschlecht"  die Diskusson um mehr Männer in Kitas. Demnach werden Männer gegenüber Frauen immer als das 'Andere' für Kinder gesehen. Es entsteht, so die Autorin, die Figur eines Mannes mit exklusiven und attraktiven Vorteilen für Kinder, weil er anders mit den Kindern kommuniziert, spielt und eben einfach anders mit ihnen umgeht als Frauen dies tun. Es wird dabei auf eine männliche Natur Bezug genommen, die sich auf eine binäre Geschlechterkonstruktion gründet, auf die Vorstellung also, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind und Frauen "das Andere" nicht verkörpern können.

Problematisch, so Lotte Rose, sind diese Vorstellungen, weil sie in keiner Weise auf eine berufliche Qualifikation abstellen. Die Debatte lenkt von der Frage ab, welche professionellen Kompetenzen Kinder brauchen und damit von der Qualitätsdiskussion in der Frühpädagogik. "So sorgt die Debatte um Männer in Kitas für eine überschießende Vergeschlechtlichung der Qualitätsentwicklungsdebatte in der Kita-Pädagogik, die letztlich den erforderlichen Professionalisierungen im Wege steht. Man kapriziert sich auf den Ruf nach mehr Männer in Kitas statt auf die Weiterentwicklung der institutionellen Praxis.... Ob Kinder in der Kita gute Lernräume vorfinden, hängt schließlich nicht primär davon ab, ob sie dort nur mit Frauen oder auch mit Männern zu tun haben, sondern vor allem davon, welche Haltungen diese Menschen an den Tag legen, wie sie mit den Kindern agieren, welche pädgogischen Qualifizierungen sie durchlaufen haben und wie Arbeitsbedingungen und berufliche Anerkennung aussehen."

Noch schärfer geht Heidemarie Keller mit der Diskussion ins Gericht. Ihr Beitrag "'Männer in die Kita' - ein Beispiel für die Irrwege bildungspolitischer Entscheidungen" beginnt mit der Erinnerung an das Gutachten des Aktionsrates Bildung aus dem Jahre 2009, in dem Jungen als Verlierer des Bildumgssystems dargestellt und die Ursachen dafür in der weiblichen Übermacht im Elementar- und Primarbereich verortet wurden. Die entsprechenden Behauptungen wurden durch empirische Untersuchungen widerlegt. Aber der damals laute Ruf nach Männern in Kitas wurde von Ministerin Schröder in das Programm "Männer in Kitas" gegossen. Kellers Kritik: "Der Ruf nach Männern in Kitasa orientiert sich am biologischen Geschlecht, ohne dass wir irgendetwas über die psychologisch relevanten Merkmale der betreffenden Personen und damit ihrer pädagogischen Eignung wüssten." Sie weist darauf hin, dass kleine Kinder seit Menschengedenken in allen Kulturen von Frauen erzogen wurden und fragt: "Wäre nicht die Menschheit längst ausgestorben, wenn die Sachlage defizitär wäre und/oder Defizite produzieren würden?"

Langzeitarbeitslose zu Erzieherin umzuschulen, würde wohl kaum zur Qualitätsverbesserung in der Kita beitragen. Da muss man Heidemarie Keller wohl recht geben. Allerdings ist ihre These, dass Frauen von Natur aus eher geeignet sind, mit kleinen Kindern umzugehen, fragwürdig und stellt ihre eigene Kritik an einem traditionellen Männerbild auf den Kopf.

Die Quintessenz beider Artikel ist, dass die Qualitätsdebatte für Kitas, das heißt auch die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen, Personalschlüsseln und Gehältern, durch den Hype um Männer in Kitas in den Hintergrund gedrängt wird. Und das können wir uns für die Frühpädagogik nicht wünschen.

 

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