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AID:A-Studie Aufwachsen in Deutschland vor und während Corona

26.05.2021 | Forschung, Kommentare (0)

Seit über zwölf Jahren bietet der Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) umfangreiche Informationen über die Lebenslagen und Erfahrungen von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und ihren Eltern, aktuell auch vor und während der Pandemie. 

Mit bundesweiten, repräsentativ angelegten Befragungen informiert diese Panel-Erhebung über Veränderungen der Lebensformen und Lebenslagen und stellt hierbei breite Facetten des Wohlergehens junger Menschen und ihrer Familien in unterschiedlichen Alltagskontexten in den Vordergrund. AID:A dient der Sozialberichterstattung und anwendungsorientierten Grundlagenforschung und richtet sich damit an Wissenschaft, Fachpraxis und Politik.

Mit der im Jahr 2019 gestarteten neuen Erhebungsserie, die knapp 14.300 Zielpersonen ab der Geburt bis zum Alter von 32 Jahren und ca. 9.900 Eltern von minderjährigen Zielpersonen erfasst, liegen breite Informationen zur Situation direkt vor der Corona-Pandemie vor. Daran schließt eine Corona-Befragung im Jahr 2020 sowie eine derzeit beginnende Wiederholungsbefragung der Teilnehmenden im Jahr 2021 an. Mit diesen erweiterten Datensätzen rückt AID:A nun die veränderte Situation von Kindern, jungen Menschen und Familien während der Corona-Pandemie in den Mittelpunkt und erlaubt Vergleiche zur Ausgangslage im Jahr 2019. Die Daten geben Aufschluss darüber, unter welchen wirtschaftlichen, sozialen und familialen Bedingungen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland aufwachsen, wie ihr Alltag vor der Pandemie aussah und wie sich seit der Corona-Pandemie ihre Lebenswelten, Erfahrungen und ihr Wohlergehen verändert haben.

Aktuelle Ergebnisse zu Veränderung der Lebenslagen in der Pandemie

Einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse auf Grundlage der Datenerhebung AID:A 2019 über die Zeit vor Corona bietet die Publikation „Aufwachsen in Deutschland 2019. Alltagswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien“. Darüber hinaus ermöglichen aktuelle Analysen breite Einblicke in Veränderungen seit dem Beginn der Pandemie zu vielfältigen Themen wie Peerbeziehungen und soziales Engagement junger Menschen, Anregungs- und Lernbedingungen ab der frühen Kindheit, die Gestaltung des Familienlebens zwischen Homeoffice und Distanzlernen und vieles mehr.

Die DJI-Forscherinnen und Forscher gehen etwa der Frage nach: Sind Homeoffice und Notbetreuung wirksam gegen elterlichen Stress in der COVID-19-Pandemie? Ihr Fazit: Homeoffice im Lockdown konnte nur bedingt Vereinbarkeitskonflikte zwischen Familie und Beruf verringern, wobei Mütter nicht im gleichen Maße profitieren konnten wie Väter. Notbetreuungsmaßnahmen können den Pandemie-Druck auf das elterliche Wohlbefinden nicht mindern, verhindern aber effektiv den Anstieg negativen Erziehungsverhaltens wie häufiges „Wütend werden“. Diese Wirkung ist auch Monate nach dem ersten COVID-19 Lockdown im März/April 2020 deutlich und statistisch signifikant messbar.

Freundinnen und Freunde gehören weiterhin zu den wichtigsten Bezugssystemen von Jugendlichen. Sie knüpfen ihre Freundschaften vor allem in der Schule, gestalten diese dann aber ebenso online wie offline aus. Analoge und digitale Welten stehen sich somit nicht gegenüber, sondern ergänzen und verbinden sich. Auch zu den Peerbeziehungen Jugendlicher vor und während Corona liegen Daten vor. Während des ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben sich junge Menschen vor allem an ihre Eltern und Peers gewandt. Sie haben sich auf vielfältige Weise engagiert, sich gegenseitig und andere unterstützt.

Ein weiteres Forschungsbeispiel sind Herausforderungen für Kinder und ihre Familien vor und während der Pandemie. So spielt etwa beim Distanzlernen das Elternhaus insbesondere bei der technischen Ausstattung eine zentrale Rolle für das Zurechtkommen. Die Ausstattung ist bei Schülerinnen und Schülern in benachteiligteren Lebenslagen jedoch seltener vorhanden.

Konzept des Wohlergehens

„Bei unseren Erhebungen schlagen wir eine Brücke vom jüngsten Säuglings- bis zum mittleren Erwachsenenalter von 32 Jahren. Ab einem Alter von neun Jahren kommen die Kinder und jungen Menschen selbst zu Wort. Für Minderjährige können wir differenziert das Familienleben und die Situation der Eltern aus Perspektive von Müttern und Vätern beleuchten“, erklärt DJI-Forschungsdirektorin Prof. Sabine Walper. Besonders hervorzuheben ist das breit angelegte Konzept des Wohlergehens (Well-Being), das dem Survey zugrunde liegt. Es umfasst neben der materiellen Situation Aspekte der sozialen Eingebundenheit, Bildungsgelegenheiten und Kompetenzerleben, Autonomiespielräume und die Verselbständigung junger Menschen, Fragen der psychischen und körperlichen Gesundheit sowie gewaltfreies Aufwachsen.

Hierbei werden unterschiedliche Kontexte und das breite Altersspektrum in den Blick genommen. „Ein Beispiel: Das Thema Verselbständigung untersuchen wir bei Kindern und jungen Menschen ab der Einschulung mit jeweils altersspezifischen Schwerpunkten. Den Kindern stellen wir etwa die Frage: Was machst Du schon alleine, ohne Deine Eltern? Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen thematisieren wir Übergänge in Ausbildung oder Studium, die erste Partnerschaft und die ökonomische Verselbstständigung“, sagt Dr. Susanne Kuger, Leiterin der DJI-Studie. „Wir haben – im Unterschied zur Shell-Jugendstudie – auch die Eltern mit an Bord und somit mehrere Perspektiven, aus denen heraus wir die Situation von Kindern und Jugendlichen beschreiben können. Nicht zuletzt die Informationen zur Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen wie Familienhebammen in den Frühen Hilfen, Erziehungsberatung oder Eltern-Kind-Gruppen sind für die Politik hochrelevant.“

Nach den früheren AID:A-Befragungen in den Jahren 2009 und 2014, die als Personenbefragung konzipiert waren, entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die dritte Hauptbefragungswelle 2019 ein neues Forschungsdesign. Sie haben dieses Mal Daten von allen Personen im Altersspektrum bis einschließlich 32 Jahre und von allen Eltern von Minderjährigen in über 6.300 Haushalten erhoben. Diese Haushaltsbefragungen ermöglichen auch einen Vergleich von Geschwistern, die bestimmte Erfahrungen in der Familie teilen, aber auch in unterschiedliche Kontexte – andere Schulklassen, andere Freundesgruppen – eingebunden sind. Ähnliche Ansätze verfolgen auch das Panel pairfam („Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics“) der Ludwig-Maximilians-Universität LMU und das SOEP („Sozio-Ökonomisches Panel“) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW), die jedoch den Fokus auf Partnerschaft und Familie beziehungsweise auf die Erwerbstätigkeit legen und weniger als AID:A auf Kinder und Jugendliche.

Aktuelle Publikation

Die aktuelle Publikation „Aufwachsen in Deutschland 2019. Alltagswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien, Susanne Kuger, Sabine Walper, Thomas Rauschenbach (Hrsg.)“ soll Appetit machen, sich mit den Daten auseinanderzusetzen. „Wir erheben die Daten nicht nur für eigene Forschungsprojekte, sondern geben sie frei an alle Forschende, die sie nach ihren Fragestellungen auswerten möchten“, sagt Susanne Kuger. Die gewonnenen Daten stehen über das Forschungsdatenzentrum des DJI der Fachöffentlichkeit zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt vor allem aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie aus Eigenmitteln des DJI.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut (DJI)

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